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BVFK-Umfrage: Dreh-Team Honorare 2025/26

| Joachim Sauer

Der Bundesverband der Fernsehkameraleute BVFK will mit einer Umfrage Transparenz schaffen und die Preisrealität der freien Filmschaffenden abbilden.

Dass der gefühlte Druck auf den sogenannten „Freien“ durch die schwache Auftragslage sehr hoch ist, steht außer Frage. Der BVFK hat, um das Gefühl in Zahlen fassen zu können, deshalb eine Umfrage gemacht, an der sich rund 150 Kameraleute aus ganz Deutschland beteiligt haben. Die Umfrage ist damit nicht wirklich repräsentativ, zeichnet aber ein durchaus realistisches Bild der Marktlage von Filmschaffenden für öffentlich-rechtliche und private Sender und Produktionsfirmen. So liegt marktübliche EB-Team Drehtag im Schnitt bei circa 1.100 Euro, der Single-EB-Einsatz liegt bei rund 795 Euro. Beide Preise sind logischerweise netto. Interessant dabei ist die hohe Differenz der Angaben, denn die Mindestangabe lag bei gerade mal 300 Euro, die Maximalangabe, dann mit Hinweis auf umfangreicheres Equipment, bei 1839 Euro. Für dieses Honorar arbeiten die Filmschaffenden lauf Umfrage pro Drehtag 9,94 Stunden, die durchschnittliche Pausenzeit liegt bei etwa 54 Minuten, so dass sich eine effektive Arbeitszeit pro Drehtag von 9,0 Stunden ergibt.

Nicht nur vor der Kamera muss das Geld fließen, auch die Filmschaffenden selbst wollen oder müssen fair bezahlt werden.

Rechnet man das durchschnittliche Tageshonorar von 1.100 Euro durch die neun Stunden ergibt sich ein Stundenhonorar von 122 Euro. Wohlgemerkt für zwei Leute inklusive des teuren Equipments. Der BVFK rechnet vor, dass sich ein fairer Preis für das EB-Team aus 1100 Euro Leistungswert + 15–30 % Unternehmeraufschlag + 50–150 Euro Organisations-/Logistikpuffer zusammensetzen müsste. Recht offensichtlich deckt sich das wenig bis gar nicht mit der Praxis. Ähnlich sieht es bei Single-EB-Einsätzen aus, die so durchgerechnet zwischen 900 bis 1.150 Euro einbringen müssten. Laut der Umfrage liegt der Reisetag marktüblich zwischen 500–600 Euro und die KM-Pauschale bei 0,50–0,55 Euro.

Im Median-Tagespreis von ca. 1.100 Euro (netto) sind im Schnitt enthalten:

  • 1 Kameraperson
  • 1 Tonperson (außer Single-EB)
  • Kamera inkl. Objektiv & Stativ
  • Zusätzliche Objektive
  • vollständiges Tonequipment
  • Basis-Licht
  • Zubehör

Nicht standardmäßig enthalten (oft extra berechnet) u.a.:

  • Spezialrigs (Gimbal, EasyRig, etc.)
  • Zusatzkameras
  • umfangreiches Licht
  • Spezialtechnik
  • Laptop

Im Fazit nennt der BVFK die Niedrigpreise als einzelne Ausreißer, die auf strukturellen Preisdruck zurückzuführen sind und nicht auf marktübliche Bedingungen. Der Preisabstand zwischen EB-Team und Single-EB, so der BVFK, ist aktuell zu gering und bildet reale Kosten und Risiken nicht ab. Parallel zeigen die Daten massive strukturelle Probleme: Angst vor offener Kommunikation, Eingriffe in die Selbstständigkeit und intransparente Preisbildung.


Ein zentrales zusätzliches Ergebnis der Umfrage ist, dass viele Befragte mit deutlich unterdurchschnittlichen Honoraren berichten, ihnen sei von Auftraggebenden wiederholt vermittelt worden, es gebe keine höheren Budgets bzw. höhere Preise seien „nicht mehr durchsetzbar“. Die statistische Gesamtauswertung widerlegt diese Darstellung klar: Marktübliche Preise existieren real und werden regelmäßig bezahlt. Die Vorgabe vermeintlich niedriger Budgetobergrenzen stellt damit ein wirksames Druckinstrument dar, mit dem Honorare systematisch nach unten verhandelt werden. Die BVFK-Mitglieder fordern klar kollektive Lösungen in Form von Mindesthonoraren, Transparenz und gemeinsamer Verhandlungsmacht.