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EU-Rat: Importzoll jetzt auch auf Kleinsendungen

| Joachim Sauer

Auch in der Medienszene machen Hersteller aus Asien den Händlern viel Druck, da sie durch Direktimporte in Kleinmengen den Zoll umgehen. Jetzt schiebt die EU dem ein Riegel vor – was gerade kleines Zubehör teurer machen dürfte.

Lange hat die EU dabei zugeschaut wie Hersteller aus Drittländern Online direkt an Verbraucher verkaufen und mit einer Paketflut an Kleinsendungen den stationären Handel massiv unter Druck gesetzt haben. Denn Warensendungen unter 150 Euro gingen in der Regel ohne weitere Prüfung direkt zum Kunden durch – ohne Importzoll, so dass die Hersteller trotz Versandkosten in einem deutlichen Wettbewerbsvorteil standen. Jetzt will man gegensteuern und mit neuen Import-Zollregeln die Paketflut bremsen. Nach Angaben des Rates sollen Sendungen mit einem Wert von unter 150 Euro künftig nicht mehr zollfrei bleiben: Vorgesehen ist zunächst ein pauschaler Zollsatz von 3 Euro für Waren in solchen Kleinsendungen; ab dem 1. Juli 2026 soll der Zollsatz dann je nach Warenkategorie erhoben werden.

Bisher haben Hersteller aus Drittländern den Import durch Kleinsendungen gezielt umgangen. Das soll ab sofort geändert werden, indem alle Sendungen einer Verzollung unterliegen. 

„Das Geschäftsmodell vieler Onlineanbieter basiert darauf, Produkte als millionenfache Einzelsendungen direkt an Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU zu verschicken und genau in diesen Warenströmen finden sich leider auch viel zu viele nicht EU-konforme und damit potenziell unsichere Produkte“, meint Daniel Pflumm, Referent für Produktsicherheit beim TÜV-Verband.

Zudem verzerren die vom Importeur zu entrichtenden Kosten für die Entsorgung nach ElektroG den Wettbewerb, da beim Direktimport an Privatpersonen diese Kosten nicht anfallen. Dennoch dürfen Direktimporte über die kommunalen Entsorgungshöfe entsorgt werden. Aktuelle Zahlen verdeutlichen die Dimension: Im Jahr 2024 wurden nach Angaben der EU-Kommission knapp 4,6 Milliarden Pakete im Wert unter 150 Euro in die EU importiert (rund 12 Millionen Pakete pro Tag); allerdings wurden pro einer Million Produkte nur 82 Produkte von den Behörden kontrolliert. „Das Grundproblem bleibt bestehen“ meint entsprechend der TÜV-Verband: „Zu viele Produkte werden weiterhin über Online-Marktplätze in Verkehr gebracht, ohne dass ihre Konformität mit EU-Anforderungen verlässlich abgesichert ist.“