Hands-on Insta360 Luna Ultra: Angriff auf den Gimbal-Kamera-Platzhirsch
| Joachim Sauer
Der Markt für kompakte Gimbal-Kameras wird klar von DJI beherrscht. Doch mit der Insta360 Luna Ultra kündigt sich ein Zweikampf an – die Gimbalkamera setzt ähnlich profesionelle Akzente wie die ebenfalls angekündigte Osmo Pocket 4K.
HANDS-ON: Insta360 Luna Ultra, Preis noch unbekannt, voraussichtlich zwischen 550 und 650 Euro
Auf dem Launch-Event in Wetzlar konnten wir die Insta360 Luna Ultra erstmals selbst ausprobieren – in realen Szenarien, mit eigenen Aufnahmen und fernab von kontrollierten Marketing-Demos. Schon nach kurzer Zeit wird deutlich: Insta360 will nicht einfach mithalten, sondern erhebt den Anspruch eigenständige Akzente zu setzen. Ein Beispiel gefällig: Die Bedieneinheit ist samt Display abnehmbar und erlaubt so die Bedienung aus der Ferne – aber damit nicht genug: Hier integriert Insta360 sogar eigene Mikrofone, so dass man die eigene Moderation auch weiterhin sauber einsprechen kann. Die Kamera soll also die professionellere Gimbal-Kamera sein, weshalb man auch mit Leica kooperiert, die für die Farbabstimmung verantwortlich zeichnen und eigene Farbprofile für die Luna Ultra generiert haben.
Joachim Sauer war in Wetzlar bei Leica, die bei der Luna Ultra als Kooperationspartner für die Bildabstimmung verantwortlich zeichnen. Beim Launch-Event haben er und YouTube-Kollegen mit der Kamera gearbeitet und können somit verlässliche Aussagen liefern.
FORMFAKTOR
Optisch bleibt die Luna Ultra dem bekannten (und von DJI geprägten) Formfaktor treu: klein, leicht, gimbalgelagert. Wobei: Ganz so klein und leicht ist die Kamera dann eben doch nicht mehr. Der Gimbal-gelagerte Kopf mit zwei Optiken ist größer und auch das etwas größere Display fordert seinen Tribut an die Maße. Sei es drum – die Luna Ultra geht immer noch als kompaktes Arbeitswerkzeug durch. Die Bedieneinheit sitzt dort wo man sie gewöhnt ist und erlaubt die lockere Steuerung mit einer Hand. Eingeschaltet wird mit einem dreh des Displays – soweit nichts Neues. Ja, auch abnehmbare Bedieneinheiten kennt man (zumindest von Smartphone-Gimbals) bereits. Das integrierte Mikrofon liefert aber gerade bei Vlogs oder Reportage-Situationen einen echten Mehrwert. Die vielleicht wichtigste Neuerung ist das Dual-Kamera-System. Neben der Weitwinkelkamera kommt eine Teleoptik (3-fach optisches Zoom) zum Einsatz. Das ermöglicht mehrere Brennweiten ohne Qualitätsverlust durch digitalen Zoom.
Die Luna Ultra bietet Insta360 in weiß und in schwarz, wobei sie insgesamt etwas größer ausfällt als die bisherigen Gimbal-Kameras.
OPTISCHE EIGENSCHAFTEN
Im Hands-on zeigt sich, dass sich, dass der Perspektivwechsel auf Tastendruck sehr gut gelingt: Von der Selfie-Aufnahme in die Gegenrichtung schwenkt das Gimbal flüssig, so dass das gut verkraftbar ist. Auch beim Zoomen sieht das ordentlich aus – solange man nur einen Zoomfaktor nach oben geht – also von Normal auf dreifach. Wer weiterzoomt erkennt dann die Ruckler über die verschiedenen Zoomstufen – und auch wenn Insta360 von einem dank Crop verlustfreien 6-fach Zoom spricht, sehen wir einen Unterschied zum tatsächlich optischen 3-fach Zoom. Wie auch immer: Für Creator bedeutet das vor allem weniger Kompromisse bei der Bildgestaltung. Man muss sich nicht mehr zwingend so viel bewegen, sondern kann wieder Zoomen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch auch, dass mit mehr Abstand die Hintergrundunschärfe zunimmt und man so leichter zu dem derzeit angesagten Cineastischeren Look kommt.
Insta360 setzt bei der Luna Ultra auf einen 1‑Zoll-Sensor in Kombination mit einer von Leica berechneten Optik mit F1.8. Das macht sich bemerkbar in einer durchaus eleganten Unschärfe im Hintergrund.
LEICA ODER LOG-PROFIL
Professioneller Anspruch hin oder her – Gimbal-Kameras werden häufig eingesetzt, wenn man mit minimalem Einsatz zu einem schnellen Ergebnis kommen will. Genau aus diesem Grund setzt Insta360 auf Farbprofile aus dem Hause Leica, die allesamt einen ordentlichen cineastischen Look liefern, ohne dass man in die Farbbearbeitung gehen muss. Die auf dem Event gedrehte als Trailer nach der Anfangsmoderation eingebundene Passage ist beispielsweise mit Leica Chrome entstanden. Auch hier ist der Dynamikumfang schon sichtbar erweitert. Dennoch unterstützt die Kamera 10‑Bit-iLog und HDR-Modi. Bei allen weiteren Aussagen halten wir uns jetzt mal noch zurück, denn das testfähige Produkt ist jetzt auf dem Weg zu uns – da liefern wir einen „Nachschlag“.
Hier ist nicht nur eine Luna Ultra zu sehen – die Aufnahme ist mit der Luna Ultra entstanden und zeigt das Bildprofil Leica Chrome.
BILDSTABIL
Wenn eine Gimbalkamera etwas können muss – dann ist es das Bild auch bei Bewegung stabil zu halten. Hier erledigt die Luna Ultra ihren Job sehr verlässlich und erfordert nicht zwingend einen besonders sanften Gang – auch wenn er natürlich nicht schadet. Ebenfalls eine Erwartungshaltung die die Luna Ultra gut erfüllt ist das Motiv-Tracking, das Insta360 mit KI trainiert hat und so Personen und Objekte automatisch sehr gut verfolgt. Motive werden sauber erkannt und die Bewegungen werden flüssig verfolgt, wobei der Bildausschnitt wenig nervös wirkt. Gerade für Solo-Creator oder Vlogger ist das ein zentraler Vorteil, wenn sie sich selbst in Szene setzen wollen und nicht permanent auf dem Display der abnehmbaren Bedieneinheit das Bild kontrollieren wollen – das sieht dann nämlich auch wenig elegant aus. By the way: Natürlich hat die Gimbalkamera verschiedene Modi und muss nicht zwingend die Horizontale „festnageln“ sondern kann im FPV-Modus eine elegante Bilddynamik ins Bild zaubern.
Die Bedieneinheit ist abnehmbar und damit eine Fernsteuerung, wobei die integrierten Mikrofone ein Funkmikrofon fast überflüssig macht.
AUDIO UND WORKFLOW
Ein spannender Aspekt der Luna Ultra ist ihre Integration in den Produktionsworkflow. Wie bereits erwähnt ist die abnehmbare Fernbedienung nicht nur Monitor und Steuerung, sondern kann auch als drahtloses Mikrofon eingesetzt werden. Wobei sogar der nahtlose Übergang vom integrierten Mikrofon hin zur Bedieneinheit klappt. Ausgelegt ist das Mikrofon aber merklich darauf, dass man es so hält, dass man auch noch aufs Display schauen kann. Wer es zu dicht heran nimmt erntet einen zu lauten Ton. In der Praxis reduziert das den Bedarf an zusätzlichem Equipment – zumindest für einfache Setups. Nichts desto trotz nimmt die Luna Ultra natürlich Kontakt zum gerade vorgestellten und hier bei uns getesteten Mic Pro auf, wobei man dann keinen Empfänger sondern nur einen Sender benötigt, der damit 119 Euro kostet.
BEDIENUNG UND VIDEOFORMATE
Bei den Bedienkonzepten gibt es derzeit kaum noch Unterschiede: Egal ob Actioncam, Gimbalkamera und teils sogar große Cine-Kameras setzen inzwischen auf ein grafisches Userinterface das sich über Wischen und Tippen bedienen lässt. Bei der Luna Ultra kommt man also schnell an das Einstellmenü, die Bildeinstellungen oder , an die bereits gespeicherten Videos heran. Und genauso schnell lassen sich die Aufnahmeformate wechseln. Definitiv ist bereits: Die Luna Ultra beherrscht eine Videoauflösung bis zu 8K und kann 4K mit bis zu 120 Bildern in der Sekunde aufzeichnen. Damit richtet sich die Kamera nicht nur an Einsteiger, sondern klar an anspruchsvollere und durchaus professionelle Nutzer. Gerade die vielen Creator, die live von Messen oder ihrem täglichen Alltag berichten, werden wohl künftig die höhere Freiheit durch das Dual-Optik-Gimbal genießen.
Bewusste Bewegungsunschärfe im Hintergrund – mit höheren Bildraten und passenden Einstellungen ist das offensichtlich machbar.
FAZIT
Nach dem ersten intensiven Hands-on bleibt ein klarer Eindruck: Die Insta360 Luna Ultra hat sehr viel Potential und lässt kaum ein wichtiges Thema außen vor: Die Stabilisierung klappt gut, die Bedienung zeigt keine Schwächen und mit der abnehmbaren Bedieneinheit einen klaren Funktionsvorteil. Die Kamera liefert nicht nur die passende Auflösungsvielfalt und höhere Bildraten sowie ein Log-Profil, sondern durch die Kooperation mit Leica auch praxisgerechte Bildprofile. Das alles sind gute Argumente – wobei wir natürlich mit Spannung auf die Antwort von DJI bei der Osmo Pocket 4P warten. Zumindest bei der Formatvielfalt und Bildberuhigung kann man von einem Patt ausgehen.
Was wir genauso mit Spannung erwarten, ist das „echte“ Testmodell das sich bei uns im Dreh-Alltag beweisen muss. Spannend dürfe werden, wie sich die Bedieneinheit in der Praxis bewährt und sich die Kamera im Langzeittest schlägt. Denn alleine mutige Ideen und ohne Zweifel starke Hardware reichen nicht: dieser Vorsprung muss sich im Alltag bestätigen, und dazu liefern wir so bald es geht einen ausführlicher Praxistest.
+ Innovatives Dual-Kamera-Konzept + abnehmbare Bedieneinheit mit Mehrwert +Hohe Auflösung im kompakten Format + gute Bildstabilisierung mit Objektverfolgung
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DATEN
DATEN UND TESTERGEBNISSE
Hersteller
Insta360
Modell
Ultra Luna
Preis
k. A. (~zwischen 550 und 650 Euro)
Interner Speicher
47 GB
Sensoren
1 Zoll und 1/1,3 Zoll
Objektiv (Preis)
Leica Optiken mit Weitwinkel und ca. 70mm (KB-Äqvivalent) Tele, F1.8
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