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Praxistest Proton Cam und Proton Zoom: Broadcast-Zwerge statt Actioncam

| VIDEOAKTIV

Winzige Kameras gehören längst zum Werkzeug professioneller Drehteams. Meist übernehmen Actioncams diese Rolle – doch mit wechselbaren Optiken und der direkten Einbindung in eine SDI-Signalkette bedienen die Proton Cam und Proton Zoom Pro professionelle Ansprüche.

360 Grad Kameravergleich Titel

 

IM TEST:
Proton Cam, 199 Euro (netto)
Proton 4K Zoom, 2499 Euro (netto)

 

Proton Camera Innovations zeigt sich selbstbewusst: Das deutsche Unternehmen will nicht einfach besonders kleine Kameras bauen, sondern möglichst kompakte Kameraköpfe mit echter Broadcast-Qualität liefern. Im Blick hat man professionelle Anwender aus Sportübertragung, Live-Produktion, Film und Fernsehen. Auch Drohnen-, POV- und Body-Mount-Ansprüche sowie industrielle Spezialanwendungen will man bedienen. Damit unterscheiden sich die beiden Kameras Proton Cam und Proton Zoom grundlegend von klassischen Actioncams. Statt wie eine Actioncam einen Akku, eine interne Bildverarbeitung und Speicherung zu haben, verfolgt Proton ein modulares Produktionskonzept: Die Kameras benötigen eine externe Stromversorgung und Aufzeichnung, liefern dafür aber ein HD- respektive 4K-SDI-Signal, professionelle Bildprofile und deutlich mehr Kontrolle über Optik, Fokus und Bildgestaltung. Die Proton Cam erlaubt sogar den Wechsel der Optik und Aufnahmen bis in den Makrobereich; die Proton Zoom ergänzt einen optischen Zoom. Der höhere technische Aufwand soll sich somit überall dort auszahlen, wo eine Actioncam zwar klein genug, ihr weitgehend festgelegter Bildeindruck aber nicht flexibel genug ist. Grund genug für uns, sich das Konzept genauer anzuschauen.

Die beiden Kameras sind zwar auch für Action geeignet – aber nicht im klassischen Actioncam-Konzept. Wir haben sie bei einer besonderen Aufgabe eingesetzt: Beim Beobachten von winzigsten Nützlingen, die wir anders kaum hätten einfangen können.

KAMERAKONZEPTE

Das Konzept von Proton ist klar: Hauptsache kompakt. Die Proton Cam misst dabei gerade einmal 2,8 × 2,8 × 2,3 Zentimeter und wiegt gerade einmal 24 Gramm. Die Proton 4K Zoom ist mit 5 × 5 × 7,3 Zentimetern und 234 Gramm deutlich größer und schwerer, bleibt aber, verglichen mit Kompaktkameras oder beispielsweise der direkten Konkurrentin Mission 1 Pro ISL aus dem Hause GoPro, ausgesprochen kompakt. Beide Modelle arbeiten mit einer 12-Bit-Signalverarbeitung und unterstützen HLG, PQ sowie S-Log3.

360 Grad Kameravergleich GRGegen die Proton 4K Zoom wirkt die Proton Cam wie ein Winzling – dabei ist aber auch die 4K Zoom schon so kompakt wie eine Actioncam.


PROTON CAM

Auf den ersten Blick ist die Proton Cam natürlich kompakt, aber konkurriert sie wirklich mit einer Actioncam? Immerhin ist das Konzept ist grundlegend anders: Die Kamera besitzt weder Akku noch Speicher oder Display. Sie benötigt eine externe Stromversorgung und gibt ihr Bild über SDI an einen Recorder, Monitor oder Bildmischer aus. Das macht die Signalkette aufwendiger, erlaubt aber die direkte Integration in professionelle Produktionsumgebungen.

Proton Camera ObjektiveWelche Optik soll es sein? Die Proton Cam arbeitet mit M12-, C- oder CS-Bajonett und kann mit ganz unterschiedlichen Brennweiten ausgestattet werden.

Der entscheidende Vorteil der Proton gegenüber Actioncams liegt bei der Optik. Statt eines fest verbauten, elektronisch korrigierten Ultraweitwinkels verwendet die Proton Cam wechselbare M12-Objektive, wobei man die Kamera auf Wunsch auch mit C- oder CS-Bajonett bekommt. Die Bajonettauswahl deutet es schon an: Autofokus ist nicht an Bord, dafür kann man den Schärfepunkt gezielt bis weit in den Nahbereich verschieben. Bei unseren Makroaufnahmen kleiner Nützlinge konnten wir so mit minimalem Aufnahmeabstand Perspektiven realisieren, die mit einer üblichen Actioncam nicht erreichbar sind und auch mit großen Kameras samt Macro-Objektiv aufgrund des wesentlich größeren Formfaktors mitsamt höherem Gewicht kaum möglich gewesen wären. Gleichzeitig entsteht das Bild optisch und nicht erst durch eine starke elektronische Entzerrung, wie es eben bei Actioncams der Fall ist. Das sorgt sichtbar für eine natürlichere Abbildung und eine überzeugende Detailwiedergabe.

Proton Camera Groessenvergleich 2Der Kamerakopf arbeitet gibt das Signal via SDI aus und wird extern mit Strom versorgt, was Platz spart.

Mit ihrer kompakten Bauform lässt sich die Kamera an Stellen montieren, an denen selbst eine Actioncam bereits zu groß oder zu schwer sein kann. Der Hersteller bietet neben der Version mit fest angeschlossenen Kabeln auch Varianten mit rückseitigen Mini-SDI- und Hirose-Anschlüssen an. Die Versorgungsspannung darf zwischen 4,5 und 25 Volt liegen, die Leistungsaufnahme gibt Proton mit lediglich 2,5 Watt an. Zum modularen System gehört außerdem eine Ausführung, bei der Kamerakopf und Bildverarbeitung über ein Flachbandkabel voneinander getrennt sind. So sitzt die wärmeerzeugende Elektronik nicht unmittelbar am Aufnahmeort. Das ist beispielsweise bei Einbauten in Helmen, Fahrzeugen oder sehr engen Gehäusen ein handfester Vorteil.

Proton Camera GroessenvergleichNoch kompakter geht es kaum – sieht man von der zweiteiligen Proton Flex ab, welche die Sensoreinheit und die Elektronik über ein Flachband-Kabel trennt.


PROTON 4K ZOOM

Die Proton 4K Zoom überträgt das Konzept auf ein etwas größeres Gehäuse und ergänzt ein integriertes 2,2-fach-Zoom, der Bildwinkel lässt sich damit zwischen 115 und 55 Grad verändern. Ein Zoom-Monster à la PTZ ist die Kamera damit nicht, erlaubt aber die schnelle Bildausschnitt-Anpassung, ohne die Kamera neu zu positionieren oder das Bild nachträglich stark beschneiden zu müssen. Größen- und auch gewichtstechnisch kommt die Proton 4K Zoom einer Actioncam nahe – auch wenn sie eher länglich gebaut ist und, wie die kleine Schwester, weder Display noch Aufnahmeeinheit hat. Dafür bietet sie erheblich mehr gestalterische Freiheit.

Proton Camera Zoom OberseiteAuch die Zoom-Version verarbeitet das Bild mit 12 Bit und unterstützt HLG, PQ sowie S-Log3. Proton nennt eine Leistungsaufnahme von 3,5 Watt und ebenfalls einen Betriebsspannungsbereich von 4,5 bis 25 Volt.

Denn neben dem Zoom lässt sich mit Fokus und Schärfentiefe arbeiten – ein Unterschied, den man im Bild sofort erkennt. Bei einer Studioproduktion stand die Proton Zoom mitten zwischen Mischpulten, Recordern und der übrigen Verkabelung. Wegen ihrer geringen Abmessungen fiel sie im Aufbau kaum auf. Dennoch konnten wir den Bildausschnitt passend einstellen und den Hintergrund sichtbar in Unschärfe auflösen. Gerade bei kleinen Sets oder ungewöhnlichen Kamerapositionen eröffnet das Möglichkeiten, die eine Actioncam mit festem Ultraweitwinkel nicht bietet. Und einen weiteren Vorteil besitzt die 4K Zoom: Sie hat Autofokus und schafft damit gegenüber Actioncams und deren Fixfokus einen echten Unterschied. Der Autofokus funktionierte im Test sehr gut, was auch an der Fokusbegrenzung über die Steuersoftware liegt, mit der man seinen Autofokus-Bereich präzisieren kann und der Kamera beispielsweise bei Talking-Head-Situationen die Arbeit erleichtert.

Proton Camera Zoom RueckseiteBei der Proton Zoom 4K sind die Anschlüsse für Mini-SDI und Stromversorgung schon integriert.

KONFIGURATION

Wer eine Proton-Kamera einsetzt, muss eine vollständige Produktions- und Signalkette aufbauen. Die Kamera benötigt Strom über ein Netzteil und ein Gerät, das das SDI-Signal entgegennimmt. Das kann direkt ein Videomischer sein, aber auch ein Recorder wie in unserem Fall der Atomos Shogun. Für die Konfiguration kommt eine kleine Kommunikationsbox zum Einsatz. Sie versorgt die Kamera und stellt gleichzeitig die USB-Verbindung zum Rechner her. Die Konfigurationssoftware wirkt optisch eher funktional als modern. Dennoch findet man sich schnell zurecht: Die Regler sind logisch benannt und die wichtigen Parameter ohne lange Suche erreichbar. Einstellen lassen sich unter anderem Bildprofil, Auflösung, Bildrate und weitere Parameter der Bildverarbeitung.

Proton Camera SoftwareDie Steuerungs-Software beeindruck zwar nicht mit ihrer Oberfläche, dafür aber mit großem Funktionsumfang und logischer Strukturierung.

Einen kleinen Kritikpunkt gibt es bei der Speicherung der Einstellungen, denn die Änderungen müssen ausdrücklich über den vergleichsweise unscheinbaren Speicher-Button gesichert werden – schließt man die Software vorher, gehen die vorgenommenen Anpassungen verloren. Das ist an für sich nichts Ungewöhnliches, doch nachdem das Speichern inzwischen bei den meisten Anwendungen automatisch erfolgt, wirkt das schon etwas „Old School“. Doch es fällt nicht allzu schwer, sich daran zu gewöhnen. Prinzipiell lässt sich mit der Software ohnehin gut arbeiten.

Proton Camera VerbindungsmodulEine der Tricks der Kamera ist die relativ leichte Konfigurierbarkeit über die USB-Schnittstelle.


BILDQUALITÄT

So viel ist klar: Für spontane Einzelaufnahmen sind die beiden Kameras nicht konzipiert. Der Aufwand, bis es losgehen kann, ist deutlich größer als bei einer Actioncam und erfordert mehr Equipment und mehr Fachwissen. In einer professionellen Produktion ist die externe Signalkette dagegen kein Nachteil, sondern ein Vorteil, weil es Teil des Konzepts ist. Das Kamerabild lässt sich direkt überwachen, mischen und in bestehende Broadcast-Technik integrieren. Die Aufnahmen haben uns besonders im Nahbereich überzeugt – ohne dass wir damit sagen wollen, dass sie bei Totalen weniger gut wären. Auch hier spielen sie ihren Vorteil der wechselbaren und sichtlich besseren Optiken aus. Feine Strukturen werden sauber herausgearbeitet und die frei einstellbare Optik erlaubt eine Bildwirkung, die mit typischen Actioncams nicht erreichbar ist. Statt einen vorgegebenen Ultraweitwinkel nachträglich beschneiden und entzerren zu müssen, kann man den gewünschten Bildwinkel bereits optisch festlegen. Hinzu kommt die Unterstützung professioneller HDR- und Log-Profile. Mit S-Log3 lässt sich das Material besser an andere Kameras einer Produktion angleichen. Gerade bei Mehrkamera-Setups ist das wichtiger als ein möglichst schnell fertiges, intern stark bearbeitetes Actioncam-Bild. Die Proton-Kameras eignen sich deshalb besonders für Sportübertragungen, Fahrzeug- und Helmmontagen, Drohneneinsätze, kleine Studiokameras sowie ungewöhnliche Perspektiven – wie sie bei versteckten Kameras üblich sind. 

Proton Camera NematodenDie Full HD-Aufnahmen aus der Proton Cam sind so hochwertig codiert, dass sie sich ohne Probleme in eine 4K-Produktion einbinden ließen. In der Bildmitte eines der winzigen Krabbeltierchen.

 

 

FAZIT

Joachim Sauer VIDEOAKTIV Autor

Die Proton Cam und Proton 4K Zoom sind keine komfortableren Actioncams – und wollen es auch nicht sein. Für Freizeitaufnahmen wären beide unnötig kompliziert, dafür spielen sie in der professionellen Produktion ihre Stärken aus. Die Proton Cam ist extrem klein und leicht, erlaubt wechselbare Optiken und beeindruckt besonders mit ihren Makrofähigkeiten. Die Proton 4K Zoom benötigt etwas mehr Platz, bietet dafür den variableren Bildausschnitt und eine bequemere Anpassung an wechselnde Aufnahmesituationen.

Entscheidend ist die Bildgestaltung: Wo eine Actioncam einen weitgehend festgelegten Look liefert, lassen sich bei den Proton-Modellen Optik, Fokus, Schärfentiefe, Bildprofil und Signalkette gezielt kontrollieren. Das Ergebnis ist kein typischer Actioncam-Kompromiss, sondern ein professionell weiterzuverarbeitendes Kamerasignal.

Proton Cam:

+ extrem kompakte Bauform
+ sehr gute Bildqualität mit u.a. S-Log 3
+ wechselbare Optiken
+ überzeugende Makrofähigkeiten 
- externe Stromversorgung und Aufzeichnung erforderlich

 

Proton 4K Zoom:

+ extrem kompakte Bauform
+ sehr gute Bildqualität mit u.a. S-Log 3
+ optischer Zoom
+ Autofokus 
- externe Stromversorgung und Aufzeichnung erforderlich

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DATEN

DATEN UND TESTERGEBNISSE

Proton Camera Tabellenbild

Hersteller Proton
Modell  Cam
Preis 1199 Euro
Objektiv (Preis) diverse M12-Objektive, 100-150 Euro
Internet www.proton-camera.com
DATEN
Aufzeichnungsformate Full-HD (60/50/48/30/25/24p)
Codecs (Dateiformate)  H.265, H.264, MOV, MP4, MXF
Max. Abtastung intern 4:2:0, 4:2:2, (8 Bit, 10 Bit, 12 Bit)
Max. Abtastung 4:2:0, 4:2:2, (8 Bit, 10 Bit, 12 Bit)
Aufnahmemedien — 
Bildwandler/Auflösung nicht spezifiziert
Objektiv-Bajonett M12-Mount
Zoomfaktor/Brennweite
(KB-äquivalent)
— 
Gewicht mit Objektiv 24 Gramm
BILDQUALITÄT  sehr gut
TON  gut
AUSSTATTUNG  sehr gut
BEDIENUNG  sehr gut
 
Urteil max.100 Punkte sehr gut
Preis/Leistung sehr gut

 

 

Autor:
Joachim Sauer, Jonas Schupp
Bildquellen:
Proton, MEDIENBUREAU

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