Praxistest: Panasonic AW-UE150 – autonom drehen mit der Profi-PTZ-Kamera
| Jonas Schupp
PTZ-Kameras versprechen automatisiertes Filmen und Streamen ohne zusätzliches Personal. Wie das funktioniert und was die Profi-PTZ-Kamera Panasonic AW-UE150 dabei besonders macht, haben wir getestet.
IM TEST: Panasonic AW-UE150, 9.686 Euro
Eine Vielzahl an Perspektiven und minimalen Personalaufwand versprechen PTZ-Kameras wie die Panasonic AW-UE150A. Das PTZ steht dabei für „Pan-Tilt-Zoom“, also Schwenken, Neigen und Zoomen. Das klingt ziemlich nach dem guten alten Camcorder und ist im Grunde das gleiche Konzept, aber mit dem Unterschied, dass PTZ-Kameras dafür kein Personal am Gerät brauchen, denn dank Motoren, integrierten Automatiken und umfangreichen Netzwerk-Anschlüssen kann die AW-UE150A und andere Vertreter ihrer Klasse nicht nur automatisch Objekte verfolgen können, sondern sich auch noch fernsteuern lassen oder direkt in ein Netzwerk streamen.
Joachim Sauer erklärt am Beispiel der Panasonic AW-UE150, was PTZ-Kameras so besonders macht und wie sie sich einsetzen lässt.
KONNEKTIVITÄT
Eine wahre Flut an Anschlüssen offenbart die AW-UE150 an der Rückseite. Wenig verwunderlich, denn umfangreiche Konnektivität ist eine Haupteigenschaft von PTZ-Kameras. So findet man nicht nur jeweils einen HDMI- und 12G-SDI-Anschluss, sondern gleich zwei 3G-SDI-Ausgänge, einen TRS-Audioeingang und zwei Ethernet-Ports, einmal für das lokale Netzwerk und einmal für das RS 422-Signal. Die Stromversorgung erfolgt über einen 4-Pin-Anschluss mittels nicht mitgeliefertem Trennstrom-Netzteil. Da PTZ-Kameras häufig in großen Setups an Traversen hängend montiert werden, installiert Panasonic bereits einen Sicherungsdraht fest an der Kamera – denn eine 4,2 kg schwere Kamera möchte niemand gerne auf den Kopf bekommen.
Eine ganze Bandbreite an Ausgängen findet man auf der Rückseite – Eingänge jedoch wenige.
SENSOR UND OBJEKTIV
Als Bildwandler der AW-UE150 fungiert ein beweglich gelagerter 1-Zoll-Sensor mit 20 Megapixeln, welcher 4K-UHD mit bis zu 60 Bildern schafft. Full-HD-Auflösung mit ebenso vielen Bildern pro Sekunde ist ebenso möglich. Die Kamera ist HDR-Kompatibel und bietet neben unterschiedlichen Gamma-Kurven (HD / Filmlike 1 / Filmlike 2 / Filmlike 3 / Film Rec / Video Rec) mit V-Log auch ein professionelles Log-Bildprofil für mehr Bilddynamik an. 4K-Auflösung, Log-Profil und nicht zuletzt das Zoom-Objektiv rücken die AW-UE150 in die Profiliga, was dann auch den Preis erklärt. Intern Aufnehmen kann die Kamera nicht, gibt ihr Signal aber über die zahlreichen Ausgänge an Recorder aus.
Auf dem 1-Zoll-Sensor sitzt ein Objektiv mit großem Zoom zur Montage in weiten Entfernungen.
Denn auch wenn ein fest installiertes Zoomobjektiv Standard-Ausstattung von PTZ-Kameras ist, setzt sich die AW-UE150A mit einem 20-fachen-Zoom von der Konkurrenz ab. Die Kleinbild-äquivalente Brennweite umfasst damit 24,5 bis 490 mm und qualifiziert die Kamera für Setups in großen Hallen. In Kombination mit der Ausnutzung der verbleibenden Sensorfläche bietet Panasonic in 4K einen 24-fachen, in Full-HD einen 32-fachen Zoom an. Die Blende ist dabei nicht konstant, sondern steigt von F2.8 zu F4.5 am Tele-Ende an. Selbst aufzeichnen kann die Kamera nicht, dafür gibt sie ihr Bild über einen der zahlreichen Ausgänge an Bildmischer und Aufnahmegeräte ab.
FERNSTEUERUNG
PTZ-Kameras sind IP-gesteuert, sprich will man die Kamera in Betrieb nehmen, muss man ins Netzwerk gehen. Eine Hürde gibt es dabei gleich am Anfang, denn wenn – wie in unserem Fall – der Vortester die Kamera in ein dediziertes Netzwerk einbindet und ihr eine entsprechende IP-Adresse verleiht, muss man diese erst wieder über Panasonics „Easy IP Setup Tool Plus“-Software händisch ändern. Das muss allerdings innerhalb der ersten zehn Minuten nach dem Anschalten geschehen, da sich die Kamera danach in einen Sicherheits-Modus schaltet.
Eine Netzwerk-Verbindung ist für den Betrieb von PTZ-Kameras zwingend erforderlich.
Die einfachste Möglichkeit für Kameraeinstellung und Fernsteuerung ist das Web-Interface, welches sich bei Eingabe der Kamera-IP-Adresse im Browser öffnet. Hier kann man auf die Kameramenüs zugreifen und beispielsweise Auflösung und Bildwiederholrate einstellen. Außerdem erhält man hier Steuermöglichkeiten über die PTZ-Funktionen und kann die automatische Objektverfolgung aktivieren. Nicht zuletzt lassen sich im Web-Interface genau wie in Panasonics dedizierter „PTZ Camera Control Center“-Software auch feste Positionen mitsamt eigenen Kameraeinstellungen speichern und abrufen, was in festen Studioumgebungen gefragt ist.
Das Web-Interface bietet direkte Kontrolle über die Kamera, mit dem PTZ Camera Control Center lassen sich mehrere Geräte bedienen.
Die schnelle Bedienung mehrerer Kameras und präzise Steuerung ermöglichen jedoch dedizierte PTZ-Kontrolleinheiten. Natürlich hat Panasonic mit AW-RP60GJ, AW-RP150GJ, AW-RP200GJ oder der großen Kairos-IT/IP-Plattform entsprechende Produkte im Portfolio, wir verwendeten im Test jedoch den KC5ON von Dritthersteller LegioAV (Test folgt), welcher ebenfalls Panasonics PTZ-Protokoll beherrscht. Hauptmerkmal von PTZ-Controllern ist der Joystick mit Drehelement, der ebenso schnelle wie sanfte Kontrolle über die Zoom-, Dreh- und Neigefunktionen gewährt. Außerdem sind alle Bedienelemente übersichtlich angeordnet und erreichbar, ohne die Oberfläche wechseln zu müssen. Einziges Manko: für die Kamera-Einstellungen kommt man nicht um das Web-Interface herum.
Dank des Joysticks sind mit PTZ-Controllern auch nach etwas Übung sanfte Fahrten möglich.
PRAXIS
Wer seinen PTZ-Kameras feste Positionen verleiht, markiert sich am besten die jeweiligen Standorte auf dem Boden. Da der Wechsel zwischen den Positionen relativ schnell und ruckartig erfolgt, ist es hilfreich, in den Übergängen auf eine andere Kamera zu wechseln – so wird es beispielsweise bei großen Produktionen für Sport und Fernsehen gemacht. Mit PTZ-Kameras sind so unterschiedliche, genau abgestimmte Perspektiven möglich, so haben wir im Test beispielsweise eine totale und eine nahe Einstellung für die Moderation sowie eine Perspektive mit Fokus auf das Bedienpult eingespeichert. Letzteres war, da die Kamera im Zuge des Testvideos immer wieder bewegt werden musste, schon wieder ungenau – wer seine PTZ-Kameras häufig bewegt, sollte sich die unterschiedlichen Positionen deshalb ebenfalls markieren.
Wer in kleinen Studios mit PTZ-Kameras filmt, sollte auf ausladende Handbewegungen verzichten, welche diese Kameras gerne mit Nachziehen quittieren.
VERFOLGUNG UND AUTOFOKUS
Besonders interessant werden PTZ-Kameras aber durch ihre automatischen Verfolgungs- und Fokusmöglichkeiten, denn so kann man vollkommen autonom von anderen Personen drehen. Einfach Kameras einschalten, Auto-Kadrierung einstellen und ab geht’s. Das klingt nicht nur einfach, sondern ist es auch und mit Ober- oder Ganzkörperframing behält die AW-UE150A immer die gewünschte Perspektive bei. Bei geringer Distanz zwischen Kamera und Person reagiert die AW-UE150A aber gerne mit etwas nervösen Schwenks auf ausladende Handbewegungen. Das fällt jedoch nur in kleinen Drehumgebungen wie dem VIDEOAKTIV-Studio auf, bei größeren Sets funktioniert die Verfolgung deutlich harmonischer.
Wenn die automatische Verfolgung aktiv ist, leuchtet das Tally-Licht oben an der Kamera gelb.
In großen Studios oder auf Bühnen, wenn man die ganze Reichweite des Zoomobjektivs ausspielen kann, wird dann auch der Autofokus relevant. Dieser hat mit dem 1-Zoll-Sensor dank höherer Schärfentiefe im Vergleich zu Digitalkameras weniger Arbeit, funktionierte im Test aber dennoch sehr gut und hielt die Person immer zuverlässig scharf. Auch beim Fokus auf Objekte wurden diese zuverlässig scharfgestellt, solange sie sich in der Bildmitte befanden.
STREAMING
Umfangreiche Streaming-Kompatibilität gehört zur Standard-Ausstattung einer PTZ-Kamera und auch die AW-UE150 bildet da keine Ausnahme. Sie kann 4K-Auflösung mit 60 Bildern in der Sekunde über den Ethernet-Anschluss ausgeben und offeriert Streaming in JPEG (MJPEG, bis zu 30p), H.264 und H.265 mit wahlweise konstanter Bitrate (für gleichbleibende Bildqualität), gleichbleibender Bildwiederholrate (für gleichmäßig flüssige Bewegungen) oder „Best Effort“, also einem Mix aus den beiden anderen Optionen. Außerdem unterstützt sie eine große Bandbreite von 512 bis 78.000 KB/s. NDI HX version 2 wird ebenso unterstützt wie 13 (IPv6) respektive 17 (IPv4) Protokolle, darunter alle gängigen Standards wie beispielsweise RTSP, TCP/IP oder UDP/IP.
Wichtig zu beachten: Herstellerseitig werden nur Chrome, Safari 11 und Edge als Browser unterstützt. Wir konnten die Kamera jedoch auch mit Mozilla Firefox über das Web-Interface steuern.
FAZIT
Durch ihre hohe Spezialisierung entziehen sich PTZ-Kameras einem echten Vergleich mit „normalen“ Kameras, deshalb ist die Bewertungstabelle bisher nur vorläufig und wird in der Zukunft einer dedizierten PTZ-Wertungstabelle Platz machen. Was die AW-UE150 aber in dieser Liga besonders macht, ist ihr vergleichsweise großer Sensor in Kombination mit dem Zoomobjektiv. Damit ist die Kamera bereit für Profi-Setups auf Bühnen oder in großen Studios – und hier wird sie auch am wahrscheinlichsten zum Einsatz kommen, denn preislich spielt die Kamera definitiv in der Profi-Liga.
Und in der Profiliga kann die AW-UE150 definitiv mitspielen, denn ihr Bild konnte im Test mit dem Bild der sonst an dieser Stelle verwendeten Digitalkamera mithalten – auch wenn man natürlich weniger Unschärfe bekommt. Dafür ermöglicht die PTZ autonomes Drehen, denn dank dem grundsätzlich harmonisch arbeitenden Auto-Framing und präzisem Autofokus kann man ohne Zusatzpersonal autonom drehen und eröffnet sich damit ganz neue Möglichkeiten, schnell und unkompliziert Videos zu drehen.
1-Zoll-Sensor und großes Zoomobjektiv, da klingelt doch was? Richtig, denn im Grunde ist die Panasonic AW-UE150 ein echter Camcorder, nur auf ihre ganz eigene Art. Und wo früher ein Camcorder mitsamt bedienender Person nötig war, ersetzt die PTZ-Kamera beide Komponenten – auf einem ähnlichen Profi-Niveau und gemessen am Personalaufwand dann auch günstiger.
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