Zum Hauptinhalt springen

Drohnentest: HoverAir Aqua – die Drohne für Wassersport

| Jonas Schupp

Die HoverAir Aqua von ZeroZero Robotics ist nicht nur wasserresistent, sondern soll auch aus dem Wasser starten und wieder landen können. Das macht sie zur idealen Kamerabegleitung bei Regen oder Aktivität auf dem See – wenn sie denn hält, was sie verspricht.

360 Grad Kameravergleich Titel

ANFANG Kamera

IM TEST:
HoverAir Aqua, 1300 Euro
getestet im Fly-More-Paket, 1499 Euro

 

Wasser ist eigentlich der Feind jeder Drohne. Bis jetzt, denn HoverAir respektive ZeroZero Robotics wirbt für die Aqua, die laut eigener Aussage erste Drohne speziell für den Einsatz auf dem Wasser entwickelt zu haben. Die Aqua mit 4K-UHD-Kamera und einem Gewicht von unter 250 Gramm soll dabei nicht nur unempfindlich gegenüber Wasser sein, sondern auch von Seen und Teichen aus starten und dort wieder landen können. Diese in der Branche derzeit einzigartigen Eigenschaften lässt sich HoverAir aber auch bezahlen und verlangt 1.300 Euro für das günstigste Paket. Im Vergleich dazu bietet Branchenprimus DJI mit Neo 2 oder Lito X1 die gleiche Auflösung sowie FPV—Eigenschaften für einen Bruchteil des Preises an – müssen dafür aber immer „im Trockenen“ bleiben. Lohnt sich also der Aufpreis? Das testeten wir am und auf dem Boden- sowie dem Comer See.

Joachim Sauer und Volker Friedmann nahmen die HoverAir Aqua mit auf Bodensee-Bootstour und berichten im Video direkt aus der Praxis, wie sich die Drohne dabei geschlagen hat.

AUFBAU

Im Gegensatz zur ersten HoverAir-Drohne X1 (hier zum Test) ist die Aqua nicht klappbar, sondern ganz mit einem knallorangenen, an Schaumstoff erinnernden Material umhüllt. Praktisch, da man sie so auf dem Wasser besser erkennt, der Rahmen dient zudem auch als Unfallschutz, denn Abstandssensoren besitzt die Aqua nicht. Die Bedienelemente befinden sich in Form von vier Tasten und einem 1,6 Zoll (4,1 cm) großen Kontrolldisplay auf der Vorderseite, dazu gibt es eine kleine Fernbedienung mit Armschlaufe. Die Kamera selbst sitzt vorne in einer Gummihalterung, auf der Oberseite der Drohne klinkt man etwas hakelig den Akku ein, welcher entsprechend besonders fest sitzen muss, damit kein Wasser an die Kontakte kommt. Für die im Fly-More-Paket enthaltenen Ersatzakkus legt der Hersteller wasserdichte Transportbeutel sowie ein Ladegerät bei. Was uns fehlt, ist eine Transporttasche für alle Komponenten.

360 Grad Kameravergleich GRIm Fly-More-Paket gehören unter anderem zwei Ersatzakkus sowie das passende Ladegerät zum Lieferumfang.


FORMATE UND AUFLÖSUNGEN

Als Bildwandler fungiert ein 1/1,28 Zoll großer CMOS-Sensor mit wahrscheinlich zwölf Megapixeln – in dieser Auflösung nimmt die Drohne zumindest Fotos auf. Videos zeichnet sie in 4K-UHD und Full-HD mit bis zu 100 Bildern in der Sekunde auf. Im Hochformat steht noch 2,7K zur Verfügung, dafür schafft die Aqua dann lediglich 60p, in 4K nur 30p. Nachdem die X1 (hier zum Vergleich mit der DJI Flip) noch lediglich im Standard-Bildprofil filmen konnte, führt HoverAir bei der Aqua jetzt mit H-Log ein professionelles 10-Bit Log-Profil ein. Gespeichert wird auf einen 128 Gigabyte großen internen Speicher, ein Slot für microSD-Karten ist nicht vorhanden. Das dürfte wohl der Wasserdichtigkeit geschuldet sein, der interne Speicher reicht aber auch für längere Aufnahmesessions vollkommen aus. 

HoverAir Aqua StartIm Uferbereich des Bodensees klappte das Starten ohne Probleme.

AUTONOMES FLIEGEN

Natürlich kann die Aqua auch autonom fliegen, wozu man entweder über die App oder am Gerät das Flugmanöver einstellt und dieses anschließend ausführen lässt. Speziell bei der Aqua sind die Modi „Surf“, „Kajak“ und „Sup“. Bei der Verfolgung orientiert sich die Drohne dabei an der Position der Fernbedienung, was im Test nicht immer ganz reibungslos funktionierte, zudem erreichte die Drohne auch in den weitesten Einstellungen keinen großen Abstand. Außerdem ist es auf dem Wasser natürlich schwieriger, die Drohne beispielsweise beim Schwimmen oder Boot fahren immer im Blick zu behalten – denn genau das ist beim Einsatz von Kameradrohnen Vorschrift. Eine zweite Person ist deshalb beim Dreh eigentlich immer Pflicht.

HoverAir Aqua DisplayDas Display informiert über das aktuelle Flugmanöver, dazu gibt es eine Sprachausgabe mit erotisch-lasziver Stimme und niederländischem Akzent.


PRAXIS

Die Aqua soll zwar aus dem Wasser starten können, nähere Angaben macht HoverAir aber nicht. Wir können nach dem Test bestätigen, dass die Drohne keinen Wellengang mag und schon bei den sanft auf das Ufer auflaufenden Wellen des Comer Sees nicht mehr starten wollte. Auf dem Bodensee bei nahezu Windstille klappte der Start hingegen ohne Probleme. Bei wenig Wind liegt die Drohne auch gut in der Luft, doch bei stärkerem Wind wurde die Lage unruhiger. Zudem bricht die Drohne gerne mal etwa einen Meter aus – ein Problem, was beispielsweise auch die Vcopter Falcon Mini hatte, welche ebenfalls von ZeroZero Robotics kommt und auch schon zum Test in der VIDEOAKTIV-Reaktion war.

HoverAir Aqua ComerSee WellenDie sanften, auf das Ufer auflaufenden Wellen waren für den Start auf dem Wasser schon zu viel, auf dem größeren Bodensee klappte es aber. 

Ein ähnliches Bild bot sich auch bei den Flugmanövern, welche die Drohne gerne mit Schwankungen durchführte und beispielsweise bei Umrundungen nicht den vorgegebenen Abstand einhielt. Die Fernbedienung erlaubt dabei nur eine rudimentäre Steuerung – wer die Drohne manuell fliegen will, kann das über die App tun, bei welcher man dann zwei virtuelle Joysticks bekommt. Zwischen X1 und Aqua hat HoverAir offensichtlich an der Umsetzung gearbeitet, denn die Steuerung über die App lief überraschend flüssig, so dass wir uns auch Flüge knapp über der Wasseroberfläche trauten. Für eine Steuerung, wie man es von Drohnen mit klassischer Fernbedienung kennt, bietet HoverAir ein optionales Steuerungsmodul (Beacon & Joysticks) für 149 Euro an.

HoverAir Aqua FernbedienungDie Handgelenk-Fernbedienung bietet nicht wirklich eine manuelle Steuerung, sondern dient eher der Navigation sowie der Ausrichtung vor dem nächsten Flugmanöver.

Was gefällt, ist trotz des kleinen Sensors der Bildeindruck, denn die Drohne kann mit natürlichen Farben und guter Bilddynamik überzeugen, was ebenso auf H-Log, wie auch den Normalmodus zutrifft – auch wenn das Log-Profil natürlich ein gutes Stück mehr Dynamik besitzt. Außerdem war die Drohne mit maximal 55 km/h schnell genug, um dem im Test verwendeten Motorboot zu folgen. Das schnelle Fliegen zieht jedoch ordentlich Akku, deshalb ist es gut, dass deren Ladung für etwa 15 Minuten intensive Flugzeit reicht. Ersatzakkus sind bei normalem Gebrauch dennoch zwingend notwendig.

HoverAir Aqua BildeindruckDas Bild der HoverAir Aqua kann sich sehen lassen und muss den Vergleich zu Branchenprimus DJI nicht scheuen. 

 

 

 

FAZIT

Joachim Sauer VIDEOAKTIV Autor

Eine Drohne, die nach IP67-Standard gegen Staub und Wasser geschützt ist, ist derzeit wohl einzigartig. Wer regelmäßig bei schlechtem Wetter filmt, muss hier eigentlich schon zugreifen. 4Kp100, Log-Format sowie gute Steuermöglichkeiten machen die Drohne auch professionell nutzbar. Auf der anderen Seite stehen ein nicht ganz sauberes Flugverhalten, aber vor allem der hohe Preis, der ein großes Stück über den Mittbewerbern liegt. Damit ist sie, obwohl eigentlich klar auf den Freizeit-Wassersport ausgelegt, eigentlich zu teuer für genau diese Zielgruppe. Ohne Smartphone ist die Steuerung am Gerät und der Fernbedienung zudem etwas mühsam. Dafür lässt die App eine manuelle Steuerung zu, die ausreichend präzise ist, dass man auch knapp über der Wasseroberfläche dahinrasen kann. Und sollte die Drohne dabei doch ins Wasser fallen, macht ihr das ohnehin nichts aus.

+ nach IP67-Standard wasser- und staubgeschützt
+ gutes Bild dank H-Log
+ bis zu 100p in 4K
- nicht immer stabil in der Luft
- teuer

Jetzt vergleichen in der

VA Bestenliste

DATEN

DATEN UND TESTERGEBNISSE

Canon EOS C50 Tabellenbild

Hersteller HoverAir
Modell  Aqua 
Preis

1300 Euro (Basismodell)
1500 Euro (Fly-More-Paket)

Internet www.hoverair.com
DATEN
Abfluggewicht 0,249 Kilogramm 
Abmessungen  201 x 206 x 62 mm (flugfähig)
Max. Flugzeit 15 Minuten (pro Akku)
Geschwindigkeit  55 km/h 
Gimbal-Neigeachse steuerbar -90 bis +30 Grad
Rotations-/Drehachse  -
Panorama-Achse 360 Grad (durch Flugbewegung)
Kamera-Sensoren  1/1,28 Zoll CMOS, 12 Megapixel 
Optik (KB-äq) nicht spezifiziert
Adapterring  - 
Videoauflösung UHD (100/60/50/30/25p),
UHD 9:16 (30/25/24p),
2,7K 9:16 1512 x 2688 (60/50/30/25p), 
FHD (100/60/50/30/25p),
FHD 9:16 1512 x 2688 (60/50/30/25p)
Videoformat MP4 (H.264, H.265), max. 160 Megabit/s
va logo kl 100  
Urteil  gut
Preis/Leistung befriedigend

 

 

Autor:
Jonas Schupp
Bildquellen:
HoverAir, MEDIENBUREAU

Weitere Kamera-Artikel

| Magazin Kamera
Insta360 geht den umgekehrten Weg von DJI und stellt nach der Luna Ultra die Luna Pro vor, die auf die Tele-Brennweite ihrer großen Schwester verzichtet, dafür aber günstiger ist. Ist sie damit die günstigere Wahl für budgetorientierte…
| Magazin Kamera
Winzige Kameras gehören längst zum Werkzeug professioneller Drehteams. Meist übernehmen Actioncams diese Rolle – doch mit wechselbaren Optiken und der direkten Einbindung in eine SDI-Signalkette bedienen die Proton Cam und Proton Zoom Pro…
| Magazin Kamera
Etwa ein Jahr, nachdem sich DJI mit der ersten Osmo 360 auf das Terrain von Insta360 vorgewagt hat, soll nun das Nachfolgemodell dem großen Konkurrenten den Rang ablaufen. Gelingt das?   IM TEST: DJI Osmo 360 II, 589…