Offensichtlich als Angriff auf die Antigravity A1 gedacht ist die Avata 360, die FPV-Action mit den Vorteilen einer 360-Grad-Kamera kombinieren will. Wir konnten die Drohne testen und haben Action und klassische Aufnahmen gedreht.
IM TEST: DJI Avata 360, 459 Euro getestet in der DJI Avata 360 Fly More Combo (DJI RC 2), 939 Euro sowie DJI Avata 360 Motion Fly More Combo, 939 Euro (mit Goggles und Handsender)
DJI ist der Marktführer bei Drohnen und will dies auch bleiben – entsprechend lässt man sich auch beim 360-Grad-Trend nicht die Butter vom Brot nehmen. Die Basis für die Drohne hat der Hersteller aus China mit dem Erstlingswerk Osmo 360 gelegt, einer sehr guten 360-Grad-Kamera (hier zum großen Vergleich der 360-Grad-Topmodelle). Jetzt wandert die 360-Grad-Technologie in die Drohnen, auch wenn Insta360 hier etwas schneller war und unter ihrer Antigravity-Marke mit der A1 nicht nur ihre erste Drohne, sondern gleich eine mit 360-Grad-Funktionalität veröffentlicht haben. Gerne hätten wir diese Drohne ebenfalls getestet, doch bisher hat uns Insta360 uns noch keine Leihstellung und somit auch keinen VIDEOAKTIV-Test ermöglicht. Bei der Avata 360 hatten wir dagegen wieder die Gelegenheit, sie vorab intensiv zu testen. Damit die ohne Frage spielerische Seite nicht überhandnimmt, haben wir sie wieder mit echten Dreharbeiten betraut – denn die Avata 360 ist prädestiniert dazu, enge Passagen zu durchfliegen und räumliche Eindrücke wirksam in Szene zu setzen.
Joachim Sauer hat die Avata 360 als klassische Drohne sowie mit FPV-Steuerung eingesetzt und berichtet im Video direkt aus der Praxis.
GEHÄUSE UND AKKU
Vor allem gegenüber ihren Avata-Schwestern ist die Avata 360 relativ groß gehalten, was vor allem an der massiven Kamera-Halterung liegt. Diese ist drehbar und bildet mit ihrer gummierten Unterseite einen Teil des Standfußes. Vier Rotoren mit ebenso vielen Blättern sorgen für Auftrieb – wobei diese wieder in einem durch das Gehäuse geschützten Bereich rotieren. Das sorgt dafür, dass die Drohne auch mal „anecken“ kann – zumindest bei langsamen Flugmanövern entsteht so kein Schaden. Dennoch bietet die Drohne Sensoren, die eine Hinderniserkennung nach oben und unten ermöglichen. Außerdem erkennt sie auch Hindernisse im Rückwärtsflug, wahrscheinlich durch die Analyse des Kamerabildes.
Hinten hat die Drohne den Akkueinschub, aber keine Sensoren. Dennoch erkennt sie Hindernisse – offensichtlich über die Auswertung des Bildes.
Ebenso wie die Drohne selbst sind auch die Akkus groß geraten. Insgesamt schafft die Avata 360 damit nicht mehr die kenntnisnachweisfreie C0-Klasse, sondern erfordert mit C1-Klassifizierung immer den „kleinen Drohnenführerschein“ sowie eine Registrierung des Piloten mitsamt Kennzeichnung der Betreibernummer. Dem Gewicht und den kleinen Rotoren geschuldet ist die Drohne alles andere als leise: Immerhin 81 Dezibel gibt DJI an und das bedeutet, dass die Drohne auch aus großer Entfernung stets präsent zu hören ist. Unauffälliges Fliegen darf man hier also nicht erwarten. Mit einer Akkuladung schafften wir bei typischem Praxiseinsatz 22 Minuten Fluggzeit mit einer Akkuladung, womit man von einer ungefähren Akkulaufzeit von 66 Minuten mit den drei Akkus der Fly More Combos ausgehen kann. Ist die Akkukapazität bei 20 Prozent angelangt, geschehen zwei Dinge: Zum einen verlangt die Drohne vehement eine Landung und startet die automatische Rückkehr zum Startort – wenn dabei Hindernisse im Weg sein sollten, bleibt die Drohne davor stehen und landet an Ort und Stelle. Zum anderen sinkt die Akkuladung sehr schnell weiter, so dass man bei der Aufforderung der Drohne auch wirklich die Heimkehr antreten sollte.
Für den Transport liefert DJI einen Schutz der Kameraeinheit, so dass man die Avata 360 problemlos in die mitgelieferte Tasche packen kann.
STEUERUNG
DJI bietet für die Avata 360 verschiedene Steueroptionen an – wobei man zwangsläufig am günstigsten wegkommt, wenn man schon eine Steuerung sein Eigen nennt und die Dohne allein für 459 Euro kauft. Mit der bereits länger bekannten RC2-Steuereinheit inklusive eigenem Monitor kostet sie 719 Euro und mit der Motion Fly More Combo und Goggles sowie dem Steuergriff liegt sie (mit Zusatzakkus) bei 939 Euro. Wir haben die Avata 360 sowohl mit der RC 2 als auch mit der virtuellen Brille geflogen – sowohl im Außenbereich also auch in Innenräumen. Festhalten kann man, dass beides bei uns gut funktioniert hat, der Installationsaufwand aber nicht ganz unerheblich ist. Die Drohne machte im Testzeitraum nahezu täglich Updates vom Fluggerät, aber auch von den Steuereinheiten. Wir waren stundenlang damit beschäftigt die passende Software aus dem Netz zu saugen, wobei dies durchaus auch an der frühen Leihstellung und der langsamen Datenübertragung aus Fernost gelegen haben mag.
Wahlweise bekommt man die DJI Avata 360 mit der RC 2 Fernsteuerung oder in der Motion Fly More Combo mit der Goggles und Handsteuerung. Wir hatten beide Varianten für den Testflug in der Redaktion.
Gleichzeitig kann man festhalten, dass dabei die RC2 sehr deutlich an ihre Leistungsgrenze kommt und nach der Updateinstallation eigentlich immer einen Neustart benötigte. Aber auch im realen Betrieb reagiert sie beim Bewegen durch das Menü vergleichsweise zögerlich auf Bedienbefehle. Glücklicherweise ist dies Phänomen dann bei der eigentlichen Steuerung der Drohne nicht mehr festzustellen. Fakt ist aber, dass die Handhabung mit unterschiedlichen Steuereinheiten der Drohne nicht wirklich schmeckt und teils eine Neukoppelung notwendig machte. Nichtsdestotrotz kann man festhalten, dass eigentlich beide Steuerungen sinnvoll sind, da sie sehr unterschiedliche Flugverhalten und -manöver ermöglichen.
Die RC 2 Fernsteuerung brauchte im Test lange, bis sie sich nach dem Einschalten halbwegs verzögerungsfrei bedienen ließ. Während des Flugs tritt dieses Phänomen zum Glück nicht auf.
FLUGVERHALTEN
Die deutlich spielerische und intuitivere Variante der Steuerung bietet DJI mit Goggles und Handsteuerung, auch wenn dies vielleicht im ersten Augenblick gar nicht stimmen kann, da man zwangsläufig die Drohne nicht mehr im Blick hat. Rein rechtlich bedeutet dies, dass man eigentlich so nur fliegen kann, wenn man eine zweite Person neben sich hat, welche die Drohne überwacht. Doch durch die virtuelle Brille und den mit Hilfe der Handsteuerung festgelegten virtuellen Zielpunkt steuert man im wahrsten Sinn zielsicher. Getestet haben wir das gleich mehrfach, wobei selbst enge Passagen damit gut machbar waren. Allerdings ist die Ansage des Copiloten, ob die Drohne nun wirklich mittig anfliegt, Anfangs durchaus hilfreich. Wir haben in einem nächsten Test die Schwierigkeit nochmal erhöht und sind in einem Hotelzimmer von der Empore rückwärts in den Raum geflogen, haben dabei Höhe verloren, um im Stockwerk darunter dann durch den engen aber immerhin rund zwei Meter langen Eingangsbereich ins Freie zu fliegen und dort gleich schnell aufzusteigen, um dann mit einer Drehbewegung die Bodensee-Landschaft zu zeigen. Solche dann doch sehr präzisen Bewegungen lassen sich mit der RC 2 deutlich leichter umsetzen – zumal man die Drohne dabei auch noch im Blick behalten kann. Tatsächlich reagiert die Avata 360 extrem schnell auf die Steuerbefehle, was in den schnellen Sport- und Normalmodi auch der Sicherheit dient. Allerdings fliegt sie auch der Cine-Modus laut Werksangabe mit circa 21 Kilometern pro Stunde, wobei wir vermuten, dass die Geschwindigkeit eher darüber liegt. Entsprechend reagiert die Drohne auch hier sehr spontan auf Bewegungen am Steuerknüppel. Damit nicht Ruckler den Flug stören, muss man entsprechend mit viel Feingefühl steuern. Und das fällt mit der Goggles und Handsteuerung deutlich leichter. Der Haken andersherum: Die Verfolgung via Active Track und die Flugmuster gibt es nur mit der RC 2-Fernsteuerung.
Mit der RC 2 kann man auch alleine fliegen, denn man kann die Drohne im Blick behalten. Doch da sie recht schnell auf die Steuerbefehle reagiert ist viel Feingefühlt und Kontrolle am Bildschirm wichtig.
KAMERA UND FORMATE
Die Drohne mit 360-Grad-Kamera hat eine Besonderheit: Beim Einschalten dreht sich die Kamera so, dass die eine Kameraeinheit nach oben, die andere nach unten schaut. Damit blendet die Kamera die Drohne an sich aus, denn die beiden Bilder überschneiden sich erst in circa 1,5 Meter Entfernung. Dieses von allen 360-Grad Kameras bekannte Stitching erfolgt hier also quer im Bild. Entsprechend ist diese Nahtstelle relativ oft im Bild – es sei denn man wählt den Bildausschnitt nach unten oder oben blickend. Zudem fordert das Stitching die Nachbearbeitung mit dem DJI Studio, denn DJI nimmt in einem probrietäten Format auf. Und das mit vergleichsweise geringer Datenrate, die um 23 MB/s (180 Mbps) liegt. So passen immerhin gut 30 Minuten auf den internen 42 GB Speicher – wer längere Aufnahmen plant, muss dann eine Micro-SD-Karte einlegen.
Für die meisten Flüge dürfte der interne und über USB-C auslesbare Speicher reichen, zumal die Flugzeit mit einem Akku bei rund 20 Minuten liegt und der Speicher bei praxistypischem Gebrauch somit eher auch nach zwei Akkuladungen nicht ganz voll ist.
Die Alternative ist, man nimmt nicht im 360-Grad-Modus auf – dann lässt die Drohne die eine Kamera nach vorn ausgerichtet. So lässt sich aus der 360-Grad Drohne eine normale Drohne machen, mit der Option die Kamera mit der RC 2 Steuerung nach unten oder oben neigen zu können. Eine echte Gimbal-Aufhängung hat die Kamera dabei nicht, da leichte Neigung durch die 360-Grad-Option in der Nachbearbeitung korrigiert werden kann. Was in beiden Modi allerdings gut und sinnvoll ist: Das einschalten des D-Log M-Modus, der mit dem flacheren Farbprofil den Dynamikumfang des Sensors besser nutzen kann. DJI gibt an, dass Fotos im DNG Format mit 30 und 120 Megapixel machbar sind. Allerdings passt die letzte Angabe nicht zu den Technischen Daten, laut dem ein Pixel 2,4μm groß ist. Entsprechend gehen wir von einer nativen Auflösung eines Sensors von um die 15 Megapixel aus.
Im Einzelkameramodus bleibt die Kamera nach vorn ausgerichtet, wobei sich die Kameraneigung mit der RC 2 Fernsteuerung beeinflussen lässt.
BILDQUALITÄT
Bleiben wir beim Dynamikumfang der Avata 360, die relativ exakt so hoch ist wie bei der Osmo 360. Dadurch, dass bei 360-Aufnahmen an sonnigen Tagen immer sowohl die am Himmel stehende Sonne als auch die starken Schatten am Boden sichtbar sind, ist es wichtig, dass die Kamera beides eingefangen bekommt. Einen Dynamikumfang in Blendenstufen nennt DJI nicht, wahrscheinlich weil es hier nicht nur auf den Dynamikumfang des Sensors ankommt, sondern auch darauf wie gut die beiden Kamera-Einheiten in der Belichtung angepasst werden um eine einheitliche Gesamtaufnahme erstellen zu können. Genau das gelingt DJI sehr gut und die Drohne gleicht so auch unterschiedliche Weißwerte erstaunlich harmonisch aufeinander ab. Genauso unaufgeregt und unauffällig reagiert die Kamera auf Lichtwechsel – so dass man sich auf die Automatiken tatsächlich verlassen kann. Und auch beim Stitching, welches wie bereits erklärt nahezu immer im Blickfeld ist, sind die Übergänge so, dass man weder eine Unschärfe noch einen Belichtungsunterschied wahrnehmen kann. Einzig, wenn man „zu nah“ an der Kamera ist wird deutlich, dass ein leichter horizontaler Versatz zu erkennen ist.
Wendet man den Blick im engen Flurbereich zur Seite, erkennt man einen leichten Versatz an der Stitching-Kante. Nach vorn und hinten schauend, ist auch hier das Bild sauber zusammengefügt.
NACHBEARBEITUNG
Da DJIs 360-Grad-Aufnahmeformat nach wie vor nicht von unserem Schnittprogramm Adobe Premiere Pro erkannt wird, mussten wir, um mit den Aufnahmen arbeiten zu können, den „Umweg“ über die Studio-Software gehen. Erfreulicherweise hat sich diese seit der Osmo 360 vor etwa einem Dreivierteljahr zu einer ernstzunehmenden Lösung entwickelt, die im Test nicht nur absturz- und bugfrei funktioniert hat, sondern auch mit mehr Features wie beispielsweise unterschiedlichen Stitching-Optionen aufwarten kann. Uns gefällt aber vor allem die Möglichkeit, alle in der Timeline befindlichen und gegebenenfalls bearbeiteten Clips als Gruppe einzeln zu exportieren. DJI Studio legt diese dann in einem Ordner gesammelt am Speicherort ab.
Das DJI Studio ist nicht nur stabiler geworden, sondern offenbart nun deutlich mehr Funktionen. Amateure erhalten damit genug Ressourcen, um nicht zwingend eine separate Schnittsoftware verwenden zu müssen.
Die zweite gute Nachricht: Die harte Kante, die bei der Osmo 360 immer dann aufgetreten ist, wenn man die exportierten Panorama-Aufnahmen mit den ensprechenden Plugins von Insta360 oder Adobe reframen will, ist weg. So konnten wir die 8K-Aufnahmen gleich entspannt als Panorama aus DJI Studio exportieren und anschließend mit beiden Plugins je nach bedarf reframen und gegebenenfalls animieren – so zum Beispiel geschehen mit der Aufnahme im Hotelzimmer. Dass man nicht mehr bereits fertig bearbeitete animierte Aufnahmen verwenden muss, erleichtert den Workflow ungemein. Ein eigenes Reframe-Plugin würde DJI dennoch gut stehen, denn natürlich sind die Lösungen von GoPro und Insta360 nicht auf den Gebrauch mit DJI-Kameras ausgelegt, beispielsweise was die Linsenkorrektur angeht.
Intensive Animationen innerhalb der Panorama-Aufnahmen verleihen 360-Grad-Kameras erst die spezielle Würze. Dankenswerterweise funktionieren die Reframe-Plugins von Insta360 und GoPro auch mit der Avata 360.
FAZIT
Um es kurz zu machen: 360-Grad-Luftaufnahmen sind etwas besonders und beeindrucken. Denn man hat so noch einmal deutlich mehr Freiheit den passenden Blickwinkel einzufangen und zudem mehr kreative Freiheit zu einem noch weiteren Sichtfeld auf zu zoomen oder aber gar Effekte wie „little World“ zu erzeugen. Das wirkt schon wirklich klasse – zumindest so lange bis man sich an diese Effekten gewöhnt hat. Dabei macht die Avata 360 einen klasse Job – die Kamera liefert wirklich ausgewogene Bilder, die zwar nicht wirklich Cineastisch, aber für Social Media perfekt geeignet sind.
Etwas irritiert hat uns die Fluggeschwindigkeit die in allen drei Modi etwas schneller zu sein scheint und die damit einhergehende Empfindlichkeit auf Steuerbefehle. Anfangs bekommt man mit der Goggles und der Handsteuerung die sanfteren Flüge hin und kann dabei wirklich recht gut zielen. Dennoch bleibt die exaktere und vielfältigere Steuerung die RC 2, bei der man sich dann allerdings an wirklich sanfte Bewegungen der Steuerknüppel gewöhnen muss.
+ beeindruckende Bilder + gute Bildqualität + nachträgliches Tracking - relativ nervöse Reaktion auf Flugbefehle
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