Tonvergleich: DJI Mic Mini 2S – gegen Mic Mini 2, Mic 2 und Mic 3
| Jonas Schupp
Wie angekündigt bringt DJI nur gut drei Monate nach dem Mic Mini 2 die 2S-Variante heraus. Hat sich das Warten gelohnt und was unterscheidet die neue Funkstrecke von ihren Schwestern?
IM TEST: DJI Mic Mini 2S (2 Sender + 1 Empfänger), 189 Euro
Angekündigt wurde sie schon Ende April mit der Veröffentlichung des Mic Mini 2 (hier zum Test) – nun ist das Mic Mini 2S bei uns eingetroffen. Bei gleichem Formfaktor wirbt DJI mit Vier-Sender-Kompatibilität à la Comica Vimo Q sowie interner Aufnahme in 32 Bit. Damit reiht sie sich von den Eigenschaften her im Grunde genau zwischen Mic Mini 2 und Mic 3 (ebenfalls schon getestet) ein, was für uns ein Anlass war, alle drei Funkstrecken mit gleichem Formfaktor gegeneinander zu stellen und zu vergleichen. Außerdem nahmen wir das Mic 2 mit in den Test auf, denn dieses hat ein gewichtiges Argument, dass für einige Kaufinteressierte entscheidend sein könnte. Zudem ist es mit 102 Euro für die Kombination aus einem Sender plus Empfänger aktuell 50 Euro günstiger zu haben und könnte somit eine echte Alternative sein.
Jonas Schupp stellt das neue DJI MIc Mini 2S vor und vergleicht es im Video mit Mic Mini 2, Mic 2 und Mic 3.
SENDER
Wenn die Sender von Mic Mini 2, 2S und 3 nebeneinander liegen, muss man schon genauer hingucken, um Unterschiede zu erkennen. So ist die Frontabdeckung beim Mic 3 nicht wechselbar, für die beiden Minis bietet DJI unterschiedliche Farbvarianten an. Ob das aus Profi-Sicht jetzt sinnvoll ist, sei dahingestellt, denn auf jeder Farboption prangt jederzeit gut lesbar das Herstellerlogo und ein „Verstecken“ der Funkstrecke allein schon deswegen nicht wirklich möglich. Hier schlägt die Stunde des Mic 2, dessen Sender zwar knapp doppelt so groß sind, aber einen TRS-Anschluss für Lavaliermikrofone besitzen, welche sich leichter verstecken lassen und – natürlich abhängig vom Modell – meistens einen besseren Kang bieten als die internen Sendermikrofone.
Während sich Mic Mini 2, Mic Mini 2S und Mic 3 die Bauform teilen, ist der Mic 2-Sender deutlich größer. Unter der Abdeckung des 2S prangt, nicht ganz einfach lesbar, die Modellbezeichnung.
EMPFÄNGER
Auf der Empfängerseite wird klar zwischen Mic 2 und 3 auf der einen und den Minis auf der anderen Seite getrennt. Letztere benutzen den vom ursprünglichen Mic Mini bekannten und kaum weiterentwickelten Empfänger, der ohne Display und nur mit fünfstufiger Lautstärkeregelung (-12/-6/0/6/12 dB) daherkommt, was beim genauen Auspegeln immer ein Nachregeln über die Ton-Aussteuerung der angeschlossenen Kamera erfordert. Display und genaue Tonkontrolle in 1-dB-Schritten bieten hingegen die Sender von Mic 2 und 3, die zudem direkten Zugriff auf Sender- und Empfängerfunktionen per simpler Touch-Navigation offerieren.
Alle Empfänger können sowohl via TRS-Kabel an Kameras als auch über USB-C-Adapter an Smartphones angeschlossen werden.
Im Gegensatz zum Mic Mini 2 kann sich der Empfänger mit vier statt zwei Sendern verbinden, wobei DJI von einer generationsübergreifenden Kompatibilität spricht. Wir verstehen darunter, dass man theoretisch alle DJI-Sender mit dem Mic Mini 2S-Empfänger verbinden kann. Doch weder die Mic 2-, noch die Mic 3-Sender wurden erkannt, erst der dem Osmo Pocket 4P-Bundle beiliegende Mic Mini 2-Sender wurde auf Kanal 3 erkannt. Mit vier Eingängen sind theoretisch auch Vier-Kanal-Aufnahmen möglich und tatsächlich beherrscht die Funkstrecke diese Funktion, wenn man das Signal über USB-C oder den optionalen Sony Zubehörschuh-Adapter an Kameras dieses Herstellers anschließt. Alle anderen müssen mit zwei Kanälen über TRS-Kabel leben, wobei Mono, Stereo sowie eine Sicherheitsaufnahme mit einer normalen linken und einer um sechs Dezibel verminderten rechten Stereospur zur Verfügung stehen.
Die vier LEDs zeigen es an: das Mic Mini 2S kann Vier-Kanal-Aufnahme, so generationenübergreifend wie DJI verspricht ist der Empfänger aber nicht.
ZUSATZFUNKTONEN
Simple Tonübertragung war gestern, inzwischen können Funkstrecken deutlich mehr und Vorreiter dafür war ausgerechnet die Mic 2-Funkstrecke, die als eine der ersten Consumer-Produkte interne 32 Bit-Aufnahme bot und damit den Markt zu einem Großteil übernehmen konnte. Warum das eine sehr gute Sache ist, erklären wir in unserem eigenen Ratgeber. Intern in 32 Bit aufnehmen können auch Mic 3 und Mic Mini 2S, nicht aber Mic Mini 2 – hier sollte man also besonders darauf achten, nicht ins Rauschen oder Übersteuern abzudriften. Um die Tonaufnahmen von den Sendern auf den Schnittrechner zu übertragen, reicht beim Mic 2 ein einfaches USB-C-Kabel, alle anderen brauchen den im Lieferumfang enthaltenen Adapter, wobei man beim Mini 2S auch gleich die gesamte Ladeschale anschließen kann und damit direkten Zugriff auf beide Sender bekommt.
An den roten Tasten ist klar zu erkennen, welche Funkstrecken intern aufnehmen können.
Alle Testmodelle bieten eine Nebengeräusch-Unterdrückung, welche beim Mic 2 einstufig, bei allen anderen zweistufig funktioniert. Aktiviert wird die Funktion am Sender des Mic Mini 2S über zweimaliges Drücken der Aufnahmetaste. Hier merkt man, dass DJI in der Zeit von Mic 2 zu Mic 3, Mini 2 und Mini 2S offensichtlich an den Algorithmen gearbeitet hat, denn die Nebengeräusch-Reduzierung ist hier am wirkungsvollsten und mit der geringsten Tonfärbung – wir empfehlen hier einen Blick in das Testvideo, in welchem die aktivierte Reduzierung kaum auffällt. Für die allermeisten Anwendungsgebiete reicht die sanftere Reduzierung, denn in der „Strong“-Einstellung schneidet das Noise Gate bei sehr lauten Nebengeräuschen gerne radikal die Stimme ab. Aufgrund des fehlenden Displays weiß man jedoch nicht, welche Reduzierungsstufe aktiv ist, einzig die aktivierte Reduzierung meldet der Sender über eine gelbe LED. So muss man wohl oder übel zum Smartphone greifen und den Sender über die Mimo-App entsprechend konfigurieren, was natürlich eine gleichzeitige Nutzung an der Kamera ausschließt.
Ist die Nebengeräusch-Reduzierung aktiv, leuchtet eine gelbe LED am Sender auf.
Ausschließlich über die App lässt sich die Klangfarbe einstellen, was im Grunde einem digitalen Equalizer entspricht. Neben der normalen Option stehen „Reichhaltig“ mit Verstärkung von tiefen Frequenzen und „Hell“ mit stärker betonten hohen Frequenzen. Die Anhebungen sind relativ breit und dankenswerterweise subtil. Wer seiner Stimme noch ein bisschen „Schwung“ in eine bestimmte Richtung verleihen will nimmt diese Funktion gerne mit, alle anderen verwenden einfach den Grundklang.
Die Kappen an den Sendern lassen sich tauschen, lassen aber eine Lücke für das damit stets gut sichtbare Herstellerlogo
PRAXIS
Wie klingt das Mic Mini 2S denn nun? Nun, wenig überraschend wie das Mic Mini 2, also mit einem guten, auf Sprache fokussierten Klang. Im Vergleich zu Mic 3 fehlt etwas die Detailauflösung und der klassische DJI-Grundklang ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, den Verzicht auf eine TRS-Buchse wollen wir den Minis im Gegensatz zur „großen“ Mic 3-Funkstrecke aber nicht ankreiden. Wie auch das Mini 2 kann das 2S mit einer sehr guten Reichweite punkten, bei Körperblockade traten erst nach gut 80 Metern erste Wackler auf, bei knapp über 100 Metern und Körperblockade kam es dann zum Verbindungsabbruch. Ebenfalls sehr gut ist die Akkulaufzeit, die DJI mit etwa zehn Stunden angibt, natürlich mit zwischenzeitlicher Aufladung mittels Ladeschale. Ob das stimmt, konnten wir nicht testen, denn trotz der Verwendung in einigen Drehs waren die Sender immer noch voll geladen und auch die Ladeschale zeigte noch vier Status-LEDs an. Ähnlich groß wie der Akku ist auch der interne Aufnahmespeicher, der mit circa 14,5 GB für fast 30 Stunden Aufzeichnung reicht.
In der Ladeschale finden Sender, Empfänger, Magnete und TRS-Kabel Platz. Während des Tests bekamen wir den Akku nicht einmal ansatzweise in die Knie.
FAZIT
Stellt man DJIs aktuelles Portfolio gegeneinander, so fällt die klare Strategie auf, die der Hersteller bei seinen aktuellen Funkstrecken verfolgt. Offensichtlich fährt man mit den leichten Miniatur-Sendern eine auf Lifestyle und Content Creation fokussierte Schiene, bei welcher man die Gratis-Werbung durch das immer klar erkennbare Herstellerlogo gerne mitnimmt. Für Profis bleibt damit im Grunde nur das Mic 2 als Option, um über den TRS-Anschluss ein weniger auffälliges Lavaliermikrofon anschließen zu können – auch wenn der Sender an sich schwerer ist und mehr an der Kleidung zieht.
Das Mic Mini 2 bietet hingegen reine Tonübertragung ohne interne Aufnahme und nur per Smartphone sinnvoll steuerbaren Zusatzfunktionen. Die Nebengeräusch-Reduzierung funktioniert dabei sehr gut, doch wer einfach eine Funkstrecke mit gutem Ton braucht, findet viele Optionen wie beispielsweise die originale Mic Mini-Lösung, die klanglich sehr ähnlich am Mic Mini 2 dran ist.
Das Mic 3 besitzt den im Vergleich besten Klang, aber mit 259 Euro auch den teuersten Preis. Statt TRS-Buchse bekommt man immerhin Timecode, was nahtlose Synchronisation mit allen Geräten am Filmset ermöglicht und für Profis in Film und Fernsehen wichtig ist. Der Empfänger ist leicht bedienbar umfassend im Funktionsumfang und lässt sich am besten bedienen. Hier muss aber am Ende jeder selbst entscheiden, ob die Eigenschaften den Aufpreis wert sind.
Mit 189 Euro reiht sich das Mic Mini 2S erwartungsgemäß zwischen Mic Mini 2 und Mic 3 ein und bleibt damit für ambitionierte Amateure ebenso interessant wie für Profis, die mit dem eigenschaftsreduzierten Sender leben können. Für die Funkstrecke spricht die Vier-Kanal-Möglichkeit eine sehr gute Reichweite sowie die derzeit klassenbeste Nebengeräusch-Reduzierung (zusammen mit Mic Mini 2 und Mic 3) und nicht zuletzt die interne 32-Bit-Aufnahme. Vor allem letzteres ist für uns einen Kauftipp wert, denn auch wenn 189 Euro gerade im Vergleich zum Mic Mini 2 ein saftiger Aufpreis sind, gibt es wohl wenig Möglichkeiten, günstiger an eine 32-Bit-Funkstrecke zu kommen. Wer dafür über den spartanischen Empfänger und die nur per App sinnvoll steuerbaren Zusatzfunktionen hinwegsehen kann und keinen Mikrofonanschluss braucht, wird mit dem Mic Mini 2S glücklich werden.
+interne 32-Bit-Aufnahme + großer interner Speicher + vier Sender pro Empfänger unterstützt o Bauartbedingt kein Mikrofonanschluss - Zusatzfunktionen nur über App sinnvoll steuerbar - Empfänger nicht so kompatibel wie beworben
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Hersteller
DJI
Modell
Mic Mini 2
Preis
99 Euro (1x Sender, 1x Empfänger, Ladeschale) 189 Euro (2x Sender, 1x Empfänger, Ladeschale)
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