Test: DJI Mic 3 – kleiner und professioneller, aber mit Haken
IM TEST:
DJI Mic 3 (1 Sender + 1 Empfänger), 199 Euro
Klein und leicht, aber voll mit Funktionen: was das DJI Mic 3 kann, zeigt Joachim Sauer im Test in den verschiedensten Szenarios und liefert so die wichtigen Hörproben, die zeigen, wo sich die Funkstrecke einsetzen lässt oder an ihre Grenzen kommt.
VARIANTEN
Für die Sender mit Formaktor à la DJI Mic Mini sind zwei Fell-Windschutze enthalten. Zusätzliche Farben bietet der Hersteller optional im Set an.
BEDIENUNG
Das kleine Touch-Display erlaubt keine wirkliche Übersicht über die Grundeinstellungen und ist aufgrund von kleinen Schaltflächen etwas hakelig bedienbar.
KAMERA
Ja, man kann alle Grundeinstellungen über das Display einstellen und übrigens auch Einstellungen während der Aufnahme ändern. Dennoch liefert DJI die Option, wahlweise Sender oder Empfänger mit der bekannten Mimo-App zu verbinden. So findet man die Grundeinstellungen sogar noch übersichtlicher präsentiert. Sehr clever ist, dass sich die Sender die Voreinstellungen merken, so dass man beim nächsten Start sich darauf verlassen kann, dass beispielsweise die Rauschunterdrückung aktiv ist und die dynamische Aussteuerung arbeitet. Auch die Speicherung der 32-Bit-Float-Aufnahme lässt sich so steuern. Ob es tatsächlich sinnvoll parallel noch den 24-Bit-Ton aufzuzeichnen, hängt stark von den Bedingungen am Set ab – je schwieriger die Tonverhältnisse sind, desto eher muss man weitere Sicherheiten einziehen. So kann eben am Ende die Aufnahme mit Rauschunterdrückung doch mal besser sein als die verlustfreie 32-Bit-Float-Datei. Sehr gut gefällt uns, dass man dank des großen 32 GB-Speichers knappe 60 Stunden Audioaufzeichnung speichern kann. Das sollte für mehrere Drehtage reichen, so dass man dann längst kontrolliert hat, ob man auf die Audiosicherung zurückgreifen muss. Entsprechend kann man relativ bedenkenlos die Loop-Aufzeichnung aktivieren, die bei Speicherknappheit ältere Dateien überschreibt.
Die Verbindung zur App lässt sich leicht herstellen – doch zumindest derzeit muss man die Prozedur jedes Mal durchspielen. Die App an sich bietet dann eine gute Übersicht über die Einstellungen.
KONNEKTIVITÄT
Das modulare Konzept des DJI Mic 3 ist die klare Stärke, denn ob man nun nur ein Mikrofon benötigt, um dieses mit dem Smartphone oder einer Actioncam zu verbinden, oder ob man tatsächlich vier Sender einsetzt und gleich mehrere Kameras mit Empfängern ausstattet – es gibt nur wenige Szenarien, die man so im Drehalltag nicht abgedeckt bekommt. Mit dem USB-C-Kabel lässt sich das Mikrofon nicht nur laden, sondern auch per Rechner auf die Dateien zugreifen. Dazu lässt sich der kompakte Empfänger mit dem Smartphone verbinden – oder eben via optionalem Adapter mit vielen Sony-Kameras, die für 4-Kanal-Tonaufzeichnung gerüstet sind. Glücklicherweise hat DJI am Empfänger die TRS-Buchse nicht eingespart, damit die Lösung an jeder Kamera mit Mikroeingang funktioniert. Sehr kritisch sehen wir dagegen den Verzicht auf den TRS-Eingang an den Sendern – auch wenn uns klar ist, dass die meisten Anwender die Sender auch als Mikrofon einsetzen und nur wenige sich ein Lavalier-Mikrofon leisten. Unterschiedliche Mikrofon-Charakteristiken versucht DJI durch Elektronik überflüssig zu machen – aber das geht oft auf die Kosten der Tonqualität. Wir haben deshalb verschiedene praxisnahe Szenarien in unserem folgenden Soundcheck durchgespielt.
Mit zwei LEDs zeigt der Sender Verbindung und laufnahmende Aufnahme an. Bei Bluetooth-Verbindung leuchtet die linke, grüne LED blau.
PRAXIS - SOUNDCHECK
Wer es sich einfach machen will, lässt die Rausunterdrückung in der leichtesten Variante stets aktiv.
An die Grenzen kommt die starke Rauschreduzierung bei unserem Test mit typischen Messelärm, der sich zwangsläufig im gleichen Frequenzbereich befindet wie die eigene Stimme. Jetzt merkt man, wie die Rauschunterdrückung versucht der Stimme Vorrang zu geben, aber gleichzeitig die Hintergründe auszublenden. Bei kleinen Pausen hört sich die Stimme am Ende und am Anfang wie abgehackt an. Gleichzeitig dringt dennoch das Hintergrundgeräusch leicht durch und sorgt für weniger Verständlichkeit – obwohl der Ton jetzt deutlich dumpfer und wenig attraktiv klingt. In diesem Szenario kann man nur den Tipp geben, lieber die Basic-Einstellung zu wählen und die leichten Hintergrundgeräusche in Kauf zu nehmen. Wer es hinbekommt, etwas lauter zu reden und somit die Verstärkung zurückdrehen kann, bekommt in normaler Messeumgebung keinen überragend guten, aber zumindest noch einen brauchbaren Ton hin. Gleichzeitig bleibt die Erkenntnis, dass es durchaus Gründe für ein Lavalier-Mikrofon gibt.
DJI hat sich wahrscheinlich die häufigste Nutzung seiner Mikrofone angeschaut – und die ist ohne Frage meist ohne Lavalier-Mikrofon. Deshalb setzt man lieber auf eine kompakte Bauweise ohne TRS-Anschluss.
Als weitere Optionen bietet das Mic 3 eine adaptive oder dynamische Verstärkungsteuerung – auf gut Deutsch: Die Lautstärkeregelung übernimmt das Mikrofon – aus unserer Sicht ist das keine gute Option, denn besser ist es manuell auf ca -9 dB zu regeln und sich so den Puffer für Spitzen zu holen. Zudem bietet das Mikrofon die 32-Bit-Float Aufzeichnung, mit der man nachträglich den Pegel verlustfrei einstellen kann. Lediglich wer genau weiß, dass es beim anstehenden Dreh zu sehr extremen Lautstärkeausschlägen kommen kann, zum Beispiel vor den Boxen eines Rock-Konzerts, kann die die automatische Pegelung in Betracht ziehen – allerdings muss man davon ausgehen, dass in so extremen Situationen das Mikrofon an die Grenzen des Schalldruckpegels kommt und die Automatik auch nicht mehr viel retten kann. Ähnlich unnütz erscheint uns die Anpassung des „Stimmtons“: „Reichhaltig“ führt zu einer Überbetonung von Bässen und „Hell“ sorgt für ein zu dünnes Stimmchen.
Mit mehr Klangoptionen versucht DJI den Verzicht auf die TRS-Buchse zu kompensieren. Diese sind unserer Meinung nach aber nicht wirklich hilfreich und beeinflussen das Stimmbild eher negativ.
REICHWEITE
Bei Körperblockade war nach etwa 35 Metern Schluss mit der Verbindung. Die von DJI angegebenen 400 Meter erscheinen uns daher utopisch und wenig praxisnah.
FAZIT
DJI kann gute Funkmikrofone herstellen – das haben sie schon bewiesen und das Mic 3 macht hier keine Ausnahme. Allerdings scheint DJI noch viel zielgerichteter das Segment Content Creation in den Fokus zu stellen. Und das durchaus konsequent: Mit mehr Optionen für Multicam-Setups und einer einfachen Handhabung erreicht man die, die ohne großen Aufwand zuverlässigen Ton benötigen. Dazu passt dann auch das Konzept mit den Backup-Aufzeichnungen. Nur bei der Reichweite muss sich der Hersteller Kritik gefallen lassen. 35 Meter ist nun wahrlich kein super Wert. Und der Verzicht auf die TRS-Buchse und somit die Möglichkeit angepasste Lavalier-Mikrofone nutzen zu können, kickt das DJI Mic 3 aus vielen Bereichen der Broadcast-Branche. Denn nur mit einer angepassten Mikrofon-Charakteristik bekommt man in kritischen Situationen, wie beispielsweise lauten Messeumgebungen, die Tonqualität nennenswert verbessert.+ einfache Bedienung+ 32-Bit Float und parallele 24-Bit-Aufzeichung+ Sender und Empfänger sehr kompakt- keine TRS-Buchse- geringe Reichweite
DATEN
DATEN UND TESTERGEBNISSE

| Hersteller | DJI | |
| Produkt | Mic 3 | |
| Preis | 199 Euro (1x Sender, 1x Empfänger) 309 Euro (2x Sender, 1x Empfänger, Ladeschale) |
|
| Internet | dji.com | |
| DATEN |
||
| Bauart | Stereo-Funkstrecke (1 Sender, 1 Empfänger) | |
| Funktionsweise | kabellos | |
| Mikrofon | 2x in Sender integriert | |
| Mikrofonanschluss | - | |
| Stromversorgung | interner Akku | |
| Ausstattung | 2x Fell-Windschutz (schwarz und grau), USB-C-Kabel, 1x Magnet | |
| Urteil |
gut |
|
| Preis/Leistung | gut | |
Autor: | Joachim Sauer |
Bildquellen: | DJI, Joachim Sauer, Jonas Schupp MEDIENBUREAU |
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