Praxistest Teleprompter: Moderation mit Hilfe des Fortinge Noa III Tablet Teleprompter
| Joachim Sauer
Teleprompter kennt man aus dem Fernsehen, aber inzwischen gibt’s sie für vergleichsweise kleines Geld. Macht ein Teleprompter den Einstieg ins Moderieren einfacher? Wir wagen den Selbstversuch mit dem Fortinge Noa III.
IM TEST: Fortinge Noa III Tablet Teleprompter, 286 Euro
Der Einstieg in die Welt der Social-Media-Videos muss weder kompliziert noch nervenaufreibend sein. Ein Teleprompter gibt Dir die Sicherheit, die Du brauchst, um selbstbewusst vor der Kamera zu stehen – ohne Blackouts, ohne Zettelchaos, ohne endlose Wiederholungen. So kannst Du Dich voll auf deine Botschaft, deine Ausstrahlung und deine Persönlichkeit konzentrieren. Dein Text leitet Dich zuverlässig durch das geplante Video. Soweit zumindest die Theorie – nachdem ich selbst bereits viele hundert Videos frei moderiert habe, will ich wissen, wie leicht die Moderation mit einem Teleprompter wie dem Noa III von Fortinge funktioniert.
Besser und flüssiger moderieren dank Teleprompter? Joachim Sauer hat mit dem Fortinge Noa III den Selbstversuch gewagt.
TELEPROMPTER-BASISWISSEN
Ein Teleprompter ist im Grunde Dein unsichtbarer „Sprecher-Assistent“ – er zeigt Dir den Text an, den du vor der Kamera sprechen willst. Dazu sind genau genommen drei Dinge nötig: Einmal ein der vorbereitete Text, der via Software auf einem Rechner oder in unserem Fall einem Tablet wiedergegeben wird. Der Teleprompter NOA III ist leicht, lässt sich ohne Werkzeug zusammenbauen und enthält neben der nötigen App eine Fernsteuerung fürs Tablet. Er ist mit Tablets und Mobiltelefonen bis zu einer Größe von 13 Zoll kompatibel. Das Tablet liegt unter der Kamera und spiegelt sich in einer beschichteten und im 45 Grad Winkel vor der Kamera angebrachten Glasfläche, so dass du direkt in die Linse schaust, ohne dass Dein Blick auf einen Zettel oder ein Skript abschweift – und damit auch die Zuschauer zum abschweifen animiert. Um ein kleines technisches Detail hier vorauszuschieben: Die Glasfläche des Noa III schluckt natürlich etwas Licht, doch mit einer Blendenstufe ist das durchaus verkraftbar. In Sachen Kameraeinstellung muss nichts weiter beachten und die Teleprompter-Halterung des Fortinge ist schnell montiert.
Der Noa III ist für mittelgroße Kameras gedacht, welche hinter der Glasscheibe montiert werden. Das Tablet wird under die Glasscheibe geklemmt.
VORBEREITUNG
Auch wenn ich selbst bereits in vielen hundert Videos vor der Kamera gestanden habe – oft liegt hier auf dem Studioboden ein Zettel mit dem, was ich auf keinen Fall vergessen darf. Fakt ist natürlich immer, dass man sich vor der Moderation ordentlich Gedanken machen muss. Im Zusammenspiel mit dem Teleprompter gibt es drei Möglichkeiten:
Das schriftliche ausformulieren, was meist dann vergleichsweise gestelzt rüberkommt. Allerdings kann man natürlich auch lernen, dass man eher so schreibt, wie man sprechen will. Als Journalist habe ich schreiben und durch die vielen Videos auch moderieren gelernt – jetzt aber festgestellt, dass beides nicht so auf die schnelle zueinander passt.
Das Diktieren des geplanten Textes, weil man so redet wie einem das „Maul gewachsen ist“ – auch wenn man so zum Beispiel mehr Wendungen aus dem Dialekt einfängt. Aber auch das kann ein Teil des Konzepts und der Authentizität sein.
Die Stichwortsammlung, denn man muss nicht zwangsläufig einen kompletten Text schriftlich festhalten. Wer sich die freie Moderation zutraut, kann sich via Teleprompter Stichworte zuspielen lassen, damit man dennoch den roten Faden nicht verliert und die Anschlüsse sauber hinbekommt.
Egal welche der Lösungen Du wählst: So wirkst du souverän, klar und authentisch – auch wenn du noch am Anfang stehst. Mit einem Teleprompter wird aus Unsicherheit Routine und aus einer Idee ein professionelles Video. Der perfekte erste Schritt, um sichtbar zu werden und Deinen Botschaften auf Social Media gehör zu verschaffen.
Ein Vorteil von Telepromptern: man schaut bei der Moderation zwangsläufiig immer in die Kamera.
FÜRS REDEN SCHREIBEN
Schreiben für einen lesbaren Text und schreiben für eine Rede – das sind zwei recht unterschiedliche Dinge. Beim Schreiben darf der Satzbau komplizierter sein. Satzeinschübe sind in geschriebenen Texten durchaus normal – beim Sprechen aber eher hinderlich, denn sie müssen, damit man sie versteht, entsprechend betont werden. Keine Frage ein Profisprecher bekommt das stressfrei hin. Aber schließlich ist man kein Profi-Sprecher, und muss erst einmal lernen mit einem etwas simpleren Satzbau sauber durchzukommen. Je kürzer Sätze sind, desto leichter fällt das. Wichtig ist zudem eine gute Formatierung. Die richtige Betonung fällt leichter, wenn die Kommas und Punkte korrekt gesetzt sind und Gedankenstriche oder Absätze eine Pause vorgeben. Auf der anderen Seite: Mit etwas Übung gewöhnt man sich daran, den Text weiter vorauszulesen und somit auch wieder freier zu sprechen. Wichtig ist also: Nicht nach dem ersten Versuch die Idee verwerfen, sondern sich durchaus nochmal eine dritte oder vierte Chance zu geben. Bei uns war die Lernkurve relativ steil und schnell zu erkennen: Der Teleprompter professionalisiert – das wohl größere Problem ist dabei, dass man (wieder) seinen Stil finden muss.
Die ForPromptMobile-App gibt Anwendenden keine Rätsel auf. Importierte Texte werden direkt auf der Startseite angezeigt.
DIKTIEREN
Genau deshalb ist es vielleicht in einem ersten Schritt leichter den Text zu diktieren. Dazu bietet die App eine eigene Funktion. Auch Diktieren will gelernt sein, denn nach Betonung setzt die App keine Satzzeichen. Punkt und Komma müssen also ebenfalls diktiert werden, damit der Text nicht ein einziger Bandwurm ist. Trotzdem ist es so leichter seinen Stil zu bewahren. Der Trick ist es, etwas langsamer zu sprechen und lieber Überlegepausen zu machen, denn Pausen interessieren während des Diktierens nicht. Man kann also ganz ohne Hektik sauber formulieren. Um eine Nachbearbeitung kommt man zumindest anfangs nicht umhin, doch klappt so die Aufbereitung seines Textes deutlich schneller als beim reinen Schreiben. Schneller ist es nur noch wirklich seine Stichpunkte zu diktieren – und nur mit diesen zu arbeiten. Für geübte Moderatoren die den Teleprompter nur als professionelle Gedankenstütze benötigen eine der leichtesten Aufgaben.
Die Diktat-Funktion unterstützt viele unterschiedliche Sprachen und erkennt das Gesprochene im Normalfall sehr gut.
PROMPT ABSPIELEN
Die App bietet neben dem Einlesen eines Textes und der Diktatfunktion noch ein Menü für das Editieren. Hier lassen sich Texte bearbeiten und die Darstellung für die Wiedergabe optimieren. Für mich war ein größerer Text und komplett fette Schrift deutlich leichter – wobei dann eben Hervorhebungen schwieriger sind. Ich habe hier dann auf Trennung per Absatz zurückgegriffen, was es insgesamt leichter macht die gewünschte Pause zu erkennen. Um den Text dann wiedergeben zu können sind zwei Funktionen wichtig: Zum einen muss man die mitgelieferte Fernsteuerung per Bluetooth verbinden, was leider nach jedem Neustart der App abermals nötig ist. Manche Apps schaffen es die durch die Systemeinstellung des Tabletts vorgegebene Bildschirmabschaltung bei der Wiedergabe von Mediendateien automatisch auszuhebeln, doch die kostenfreie ForPromptMobile-App kann dies nicht. Man sollte deshalb das Ausschalten des Bildschirms in die Einstellungen des Tablets selbst deaktivieren.
Im Edit-Fenster kann man die Texte anpassen und dabei auch die Schriftgröße anpassen.
Wenn man nun in der App auf den Menüpunkt Pormpt geht, lässt sich der Text zum einen für den Teleprompter spiegeln und dann abspielen. Damit der Text nicht direkt loslegt, kann man einen Countdown vorschalten. Auch die Scroll-Geschwindigkeit lässt sich vorgeben, doch man passt einfacher mit Hilfe der Fernbedienung an. So lässt sich durchaus mal das Tempo anziehen oder runterbremsen. Entscheidend ist, dass der Text nicht erst dann ins Bild kommt, wenn man ihn benötigt und zu schnell oben aus dem Bild rutscht. Beides verursacht Unsicherheit doch hat man sich einmal an die Fernbedienung gewöhnt, kennt diese genug Geschwindigkeitsstufen, um sauber durch die vorgegebene Moderation zu kommen.
Das Prompt-Fenster dient der Präsentation und gibt Kontrolle über beispielsweise die Abspielgeschwindigkeit.
FAZIT
Wer bereits viel moderiert hat und frei sprechen kann weiß: Vorbereitung ist alles. Denn ohne klaren Plan wird man kaum ein stringentes Video hinbekommen. Genau dazu animiert der Einsatz eines Teleprompters, denn er fordert zwangsläufig einen Text, der vorher ausgearbeitet werden muss. Der entscheidende Vorteil: So kann, solange man sauber vorlesen kann, kaum etwas schief gehen. Dass ein Teleprompter nicht nur für Profis eine Hilfe ist, sondern gerade im Einstieg helfen kann haben wir hoffentlich in unserem Video gezeigt. Für uns die Interessanteste Erkenntnis ist jedoch, dass es genau für Leute, die bereits viel Übung haben, aber bisher ohne vorgegebene Moderation arbeiten, ein perfektes Werkzeug ist, denn statt Zettel und mehrfachem Ansetzen, bekommt man so seine vorher überlegte Struktur angezeigt und muss nur einmal in die Kamera schauen um das nächste Stichwort aufzuschnappen. Der entscheidende Vorteil dabei: Man verzettelt sich nicht und behält den roten Faden – aber das gilt auch für Einsteiger.
+ einfacher, werkzeugfreier Aufbau + App auch für Einsteiger verständlich + geringer Lichtverlust durch Glsscheibe - umständliche Fernbedienung
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