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Interview Teltec: Was bedeutet die Insolvenz für Kunden und die Zukunft - Altlasten, Liquidität und Kundenabsicherung

| Joachim Sauer

Seite 2 von 2: Altlasten, Liquidität und Kundenabsicherung

MITARBEITER UND ALTLASTEN

VIDEOAKTIV: Ist die Bezahlung der Mitarbeiter aus dem laufenden Geschäft sichergestellt oder bekommen diese derzeit Insolvenzgeld?

Ralf P. PfefferAuf Basis der derzeitigen Fortführungsplanung gehen wir davon aus, dass die laufenden Verpflichtungen gegenüber den Mitarbeitenden erfüllt werden können. Zusätzlich besteht der gesetzliche Anspruch auf Insolvenzgeld für einen Übergangszeitraum.

VIDEOAKTIV: Wie will Teltec sicherstellen, dass die wichtigen Mitarbeiter an Board bleiben – oder ist eine gewisse freiwillige Fluktuation Teil des Insolvenzplans?

Ralf P. Pfeffer: Es ist verstehbar, dass sich unsere Leute in so einer Phase Sorgen machen. Jede und jeder hat hierfür mein volles Verständnis. Das Management hat von Anbeginn klar gemacht, dass es nicht unser Ziel ist, die Lichter bei Teltec auszuschalten. Vielmehr verstehen wir die Eigenverwaltung als Chance, uns zukunftsfähig aufzustellen.

VIDEOAKTIV: In der Pressemitteilung benennst Du das Problem als „Altlasten“. Woher kommen diese Altlasten – aus Übernahmen oder aus dem laufenden Betrieb?

Ralf P. Pfeffer: Bereits vor einigen Jahren war klar, dass sich unser Markt nachhaltig verändern wird. Aus damaliger Sicht hatten wir den Mut in Themen wie Cloud und KI zu investieren und haben hierfür Bankdarlehen aufgenommen. Die damaligen Investitionsentscheidungen basierten auf den zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Markt und Wachstumsannahmen, die sich im Nachhinein nicht wie erwartet realisiert haben. Zu den sich abschwächenden konjunkturellen Rahmenbedingungen, ausgelöst durch den Ukrainekrieg, gesellten sich die Auswirkungen des Streiks der Drehbuchautoren und Schauspieler in den USA. Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass die Kinoproduktionslandschaft zwischenzeitlich derart international verwoben war, dass auch Produktionen in Europa und Deutschland betroffen waren. Dieser Streik hat aber auch die erwartete Transformation zu kostengünstigeren Produktionsmethoden enorm beschleunigt und die Marktgegebenheiten rasant verändert. So schnell wie dies geschah, konnten wir die Kosten nicht anpassen – obwohl wir zügig darauf reagierten.

5 showroom mz kastel klDie verschiedenen Standorte mit ihren Showrooms bleiben auch derzeit erreichbar und verkaufen Produkte an die interessierte Kundschaft. 

ZUKUNFTSHERAUSFORDERUNGEN UND KUNDENABSICHERUNG

VIDEOAKTIV: Zwangsläufig bedeutet der Abbau dieser Altlasten, dass Gläubiger leer ausgehen. Ist es korrekt, wenn wir davon ausgehen, dass dies in erster Linie Banken sind? Oder sind auch Lieferanten oder Kunden davon betroffen?

Ralf P. Pfeffer: Es ist richtig, dass dies hauptsächlich Banken betrifft. Eine Einigung mit den Geldgebern konnte nicht erreicht werden. Es liegt mir fern, diesbezüglich ein Blame Game zu spielen. Geschäftsbanken befinden sich aktuell auch in keiner einfachen Situation und treffen Entscheidungen, die nicht immer nachvollziehbar sind, auf die man aber professionell reagieren muss.

Der Gang in die Eigenverwaltung ging nicht völlig spurlos an Kunden und Lieferanten vorbei. Hierbei wurde auch Vertrauen beschädigt, das wir in mehr als drei Jahrzehnten unter der Marke Teltec aufgebaut haben. Nun geht es uns darum, das Vertrauen wieder zu stärken. Sehr dankbar sind wir für die professionellen Reaktionen fast aller Lieferanten. Es gelang in den vergangenen Wochen alle wichtigen Marken wieder an Bord zu holen. Wir erfuhren eine breite Unterstützung von Herstellern. Hierfür sind wir außerordentlich dankbar.

VIDEOAKTIV: Wer derzeit bei Teltec eine Bestellung machen möchte hat natürlich bedenken, ob man die Geräte auch erhält. In einer Insolvenz kann auch eine Anzahlung in der Insolvenzmasse aufgehen, ohne dass Ware geliefert wird. Wie will Teltec sicherstellen, dass Kunden kein Geld verlieren?

Ralf P. Pfeffer: Wir befinden uns nicht in einem klassischen Insolvenzverfahren wie es früher der Fall war und bei dem per se zu erwarten ist, dass das Unternehmen abgewickelt wird. Das Instrument der Eigenverwaltung beabsichtigt die Sanierung des Unternehmens. Bei der Eigenverwalter wird die Geschäftsführung nicht durch einen Insolvenzverwalter ersetzt. Es ist jedoch erforderlich, einen insolvenzerfahrenen Generalbevollmächtigten an seiner Seite zu haben. Dann gibt es noch den Sachwalter, der Sorge dafür trägt, dass alles geordnet abläuft und der Plan erfüllbar bleibt.

VIDEOAKTIV: Gelten diese Regeln auch für Kunden des Onlineshops?

Ralf P. Pfeffer: Die Online-Kunden sind in gleicher Weise geschützt. Wenn man ohnehin nicht bereits Rechnungskunde ist, kann man Online-Bestellungen weiterhin per PayPal zahlen und genießt den Käuferschutz.

VIDEOAKTIV: Wie wird die Liquidität derzeit sichergestellt?

Ralf P. PfefferNach der zum Zeitpunkt der Antragstellung vorliegenden Liquiditäts‑ und Fortführungsplanung sind wir mit ausreichenden Mitteln in das Verfahren gestartet. Diese Planung wird fortlaufend überprüft und angepasst.

Zum 1. Mai erwarten wir die Eröffnung des Eigenverfahren, ab dann werden wir auf das Ende des gesamten Verfahrens hinarbeiten.

VIDEOAKTIV: Ist im Rahmen der Insolvenz eine Trennung von der Muttergesellschaft Avemio denkbar?

Ralf P. PfefferDie Teltec AG wird im Rahmen des Eigenverwaltungsverfahrens eigenständig fortgeführt; konzernrechtliche Fragen werden gesondert geprüft.

VIDEOAKTIV: Es war bisher immer die Rede davon, dass Teltec weitere Standorte, im besonderen im Europäischen Raum aufmachen oder hinzugewinnen soll. Besteht dieser Plan weiterhin und wie will man dies finanzieren?

Ralf P. PfefferJetzt kümmern wir uns erst einmal darum, die wiedergewonnene Stabilität zu festigen. Wir sind als deutscher Marktführer in die Eigenverwaltung gegangen und wollen dies bleiben. Es ist davon auszugehen, dass sich zukünftig die Handelsstrukturen auch im europäischen Kontext weiter verändern und weiterentwickeln werden.

Unsere Branche hat keinen international bzw. europäisch aufgestellten Fachhändler. Selbst mit unserem multilingualen Webshop und einer Kundschaft aus ganz Europa, können auch wir uns noch nicht als solchen bezeichnen. Zur gegebenen Zeit werden wir wieder auf Wachstum setzen und die hierfür richtigen Investoren finden.

Doch zunächst einmal blicken wir mit Demut auf die vor uns liegenden Aufgaben und versuchen beschädigtes Vertrauen wieder zu festigen und dort, wo es verloren ging, wieder herzustellen.

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Autor:
Joachim Sauer
Bildquellen:
Teltec, MEDIENBUREAU

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