IBC 2026: Rückblick und Ausblick auf gute Messestimmung
| Jonas Schupp
Die IBC 2026 hinterlässt ein gemischtes Bild: Viele Aussteller berichten von intensiven Gesprächen, während die großen Kamerapremieren ausbleiben. Unser Messerückblick ordnet die Stimmung ein und zeigt, wo sich dennoch etwas bewegt.
IBC 2026: Unser Rück- und Ausblick
Die IBC ist vorbei – und damit stellt sich die Frage, was von den vier Messetagen in Amsterdam bleibt. Der Veranstalter zieht eine positive Bilanz: 41.225 Teilnehmer aus 170 Ländern trafen auf mehr als 1.300 Aussteller. 256 Unternehmen waren erstmals dabei, womit die Zahl der Messe-Neulinge unter den Ausstellern gestiegen ist. Bei der Besucherzahl zeigt sich allerdings die andere Seite: 2025 hatte die IBC noch 43.858 Teilnehmer gemeldet. Damit liegt die diesjährige Zahl um rund sechs Prozent niedriger. Unser Eindruck vor Ort passt zu dieser durchwachsenen Bilanz. Besonders am Sonntag und am abschließenden Montag war es in den von uns besuchten Bereichen ausgesprochen ruhig. Gleichzeitig zeigten sich viele Aussteller, mit denen wir gesprochen haben, sehr zufrieden mit den ersten beiden Messetagen. Sie berichteten von gut besuchten Ständen und vor allem von intensiven Gesprächen.
Warum es auf der IBC 2026 wenig Neues gab, die Branche aber trotzdem optimistisch in die Zukunft blickt, erklärt Joachim Sauer im Video.
Weniger Besucher bedeuten deshalb nicht automatisch eine erfolglose Messe. Für die Aussteller zählt auch, wer kommt und wie konkret die Gespräche werden. Genau hier lag nach unseren Begegnungen eine Stärke dieser IBC. Die deutlich schwächere zweite Messehälfte bleibt dennoch ein Punkt, über den sich der Veranstalter Gedanken machen muss – zumal nächstes Jahr die 60. Auflage vom 10 – 13. September entsprechend wieder an vier Tagen stattfindet.
Im letzten Jahr gab es mit Cinekameras von Canon (EOS C50), Fujifilm (Eterna GFX), Nikon (Zr) und RED (V-Raptor XE) gleich mehrere große Premieren auf der IBC – und dieses Jahr? Zumindest in der Cine-Klasse komplette Fehlanzeige. Das bedeutet allerdings nicht, dass es keine interessanten Kameras zu sehen gab. Unser IBC-Newsportfolio umfasst zahlreiche Neuheiten und bereits vor der Messe veröffentlichte Produkte. Ein Beispiel ist die Sony FX5, die VIDEOAKTIV schon im Juli vorgestellt hat. Interessanter Weise ordnet Sony die FX5 der Consumer-Abteilung zu – und liefert die Kamera entgegen der Ankündigung derzeit nicht aus – soweit man dem Flurfunk Glauben schenkt hakt es an der Firmware. Die Sony ILME-FX5 war dennoch auf der IBC oft umringt.
Sonys FX5 konnten wir bereits im Vorfeld der IBC im Hands-On vorstellen.
Die IBC allein an Kamerapremieren zu messen ist zwangsläufig zu kurz gesprungen – und dennoch sind sie ein Gradmesser für die technischen Trends. Das zeigt sich dann auch mit einem durchaus wichtiger Kamerabeitrag kam von Panasonic: Die PTZ-Serie AW-UE200 und AW-UER200 setzen auf einen Global-Shutter-Sensor im 1,2-Zoll-Format und, das ist die zweite Besonderheit, die Möglichkeit die Kamera besonders schnell beziehungsweise besonders langsam und exakt positionieren zu können. Damit adressiert Panasonic unter anderem Sportproduktionen, bei denen schnelle Bewegungen möglichst ohne Rolling-Shutter-Verzerrungen erfasst werden sollen. Hinzu kommen ein 22-facher optischer Zoom, HD-Aufnahmen mit 120 und 180 Bildern pro Sekunde sollen über ein späteres Update folgen. Die AW-UER200 ergänzt eine Rollachse für zusätzliche Ausrichtungsmöglichkeiten. Die Einzelheiten haben wir in unserer Meldung zu Panasonics neuen PTZ-Kameras zusammengefasst.
Die UE200 von Panasonic ist mit hoher Geschwindigkeit unter anderem für Sport-Anwendungen gedacht.
Bei Tellycam standen zwangläufig ebenfalls neue PTZ-Kamera parat: Mit Explore 100, Explore 300 und Explore 500 gab es hier gleich drei neue PTZ-Kameras und mit dem Mix 1 eine kombinierte PTZ-Steuerung mit einem Mischer. Explore 300 und Explore 500 kombinieren einen 4/3-Zoll-Sensor mit 20-fachem optischem Zoom. Die Explore 100 nutzt einen kleineren 1/1,8-Zoll-Sensor und bietet einen 30-fachen Zoom. Neue Motoren sollen weichere Kamerabewegungen ermöglichen; bei den beiden größeren Modellen kommt ein Hybrid-Autofokus hinzu. Der Mix 1 soll kleine Studioinstallationen vereinfachen indem er Mischer und Steuerung vereint – das hat die IBC dazu veranlasst das Produkt als „Best on Show“ auszuzeichnen.
Der Telycam Mix 1 vereint Bildmischer mit PTZ-Steuerung und wurde auf der Messe als „Best on Show“-Produkt ausgezeichnet.
Zum Abschluss unseres Rundgangs rückte bei Z CAM eine neue Minikamera in den Blick. Und wieder ist es keine klassische Kamera für den Cine-Einsatz. Sie ist viel mehr für Spezialanwendungen, wie die Verwendung als Bildquelle für weiterführende Anwendungen – etwa dort, wo für KI-Anwendungen Bildinhalte auswertet oder Bewegungen erkannt werden sollen. Die angesprochene Bild- und Bewegungserkennung führt zu einem weiteren Thema der IBC: künstliche Intelligenz. Die Kamera liefert dabei nicht nur Bilder für einen Film, sondern auch Informationen, die Software anschließend auswertet.
Z-Cams neue Kamera ist besonders klein. Damit soll sie aber nicht bei klassischen Drehs zum Einsatz kommen, sondern virtuellen Produktionen und KI-Anwendungen dienen.
KI – DER DAUERTREND
Dass Künstliche Intelligenz gekommen ist, um zu bleiben, sollte klar sein. Inzwischen integrieren die Hersteller KI-Modelle immer mehr in ihre Anwendungen, so bietet die neueste Version von DaVinci Resolve Unterstützung für KI-Assistenten à la ChatGPT und Adobe integriert unter anderem die firmeneigene Generierung von Inhalten direkt in Premiere Pro. Betont wird Branchenweit, dass man die KI nicht an die Stelle der Kreativen treten lassen möchte, genau dieser Trend dürfte aber nicht aufzuhalten sein. Ein Großteil der Werbeinhalte in Fernsehen und Social Media ist inzwischen KI-generiert, weil es schlicht und ergreifend einfacher und günstiger ist als klassisches Filmen. Mit KI lassen sich aber auch viele Prozesse in der Medienproduktion vereinfachen und automatisieren und genau hier setzen Adobe, Blackmagic Design & Co. an, was unserer Meinung nach auch der richtige Ansatz ist. Denn wer effizienter produziert, kann mehr Aufträge erledigen, ohne dass die Qualität darunter leidet.
DaVinci Resolve bekommt in der Version 21.1 Unterstützung für externe KI-Assistenten.
NEUE HERSTELLER
256 erstmals auf der Messe ausstellende Hersteller vermeldet die IBC als Erfolgserlebnis. Dass viele dieser neuen Hersteller aus Fernost kommen, ist kein Geheimnis und setzt einen Trend fort, den Firmen wie Zhiyun, Godox, aber vor allem SmallRig begründeten. Denn diese Hersteller drängen, nach dem sie in der Vergangenheit viel für andere Marken und Firmen produzierten, verstärkt mit eigenen Marken auf unsere Märkte vor. Dabei machen sie sich den Direktvertrieb zu Nutze und umgehen mit eigenem Onlineshop Händler. Meistens unterbieten sie dadurch etablierte Marken deutlich im Preis und verdrängen diese. Bestes Beispiel ist auch hier SmallRig, die inzwischen im Einstiegssegment der dominierende Hersteller für Rigging und anderes Zubehör sind und deren Akkus nunmehr von vielen Produktionsteams genutzt werden. Gleichzeitig lässt man sich von anderen Innovationen „inspirieren“ und entwickelt auf dieser Basis eigene Produkte wie beispielsweise ein Videostativ mit zentraler Verriegelung à la Sachtler Flowtech, aber kompakterem Formfaktor. SmallRig ist damit so erfolgreich, dass inzwischen auch Händler sich gezwungen sehen, deren Produkte anzubieten, obwohl die geringen Margen einen Verkauf eigentlich nicht rechtfertigen.
SmallRig ist inzwischen der Zubehör-Anbieter Nr. 1 geworden und greift sich mit unter anderem Akkus aggressiv weitere Marktanteile.
AUSBLICK
KI und wenig Neues, das klingt erstmal nach einer düsteren Zukunft. Dass aktuell wenig neue Kameras erscheinen, liegt dabei vor allem an der weiter grassierenden Speicherkrise. Hier wird Arbeits- und Festplattenspeicher (welcher noch gar nicht hergestellt ist) direkt von KI-Firmen (von Geld, was sie noch nicht haben) gekauft, um in Rechenzentren (welche noch nicht gebaut sind) montiert zu werden. Diese Knappheit schafft wenig Raum für Neuentwicklungen, den wer nicht gerade ein Vielfaches an Kosten für Entwicklung und Herstellung ausgeben möchte, hält sich derzeit mit großen Flaggschiff-Kameras zurück. Bezeichnend dafür sind die um die IBC angekündigten Sony FX5, Canon EOS R8 Mark II und OM System OM PEN – erstere ein Profiwerkzeug, welches aber der FX3 näher als den High-End Cine-Kameras ist, während die Canon- und OM System-Modelle klar an Einsteiger orientierte Kameras sind.
Trotzdem blickt die Branche optimistisch in die Zukunft, was auf den ersten Blick verwirrend klingt. Doch durch KI und virtuelle Produktionen ergeben sich abseits der etablierten Pfade und auch ohne teure Speicher neue Möglichkeiten, die Medienproduktionen der Zukunft zu gestalten. Dafür ist – bei aller Konkurrenz – mehr noch als sonst die Zusammenarbeit unterschiedlicher Hersteller erforderlich. Genau hier ist eine Messe wie die IBC wichtig, denn wenn alle Firmenvertreter an einem Ort versammelt sind, lässt es sich leichter austauschen und netzwerken. Auch der direkte Draht zu Besuchern und Presse und damit der direkte Blick in die Branche wird von den Ausstellenden sehr geschätzt. Insofern ist sicher, dass sich im nächsten Jahr alte und neue Gesichter wieder versammeln, wenn es heißt: es ist IBC-Woche!
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