Interview mit Magix: Strategie für Video deluxe und Co
Magix hat nach der Insolvenz inzwischen die gesamten Profi-Programme inklusive Vegas Pro, Sound Forge und Acid Audio an Boris FX verkauft. Wir wollten von Tom Sperner, Marketing Manager bei Magix, wissen, wie und mit welcher Strategie es bei Magix weitergeht.
Magix verkauft Vegas Pro:
Exklusives Interview mit Marketing Manager Tom Sperner
Mit dem Verkauf von Vegas Pro hat Magix das Tafelsilber vergoldet - doch was bleibt denn dann bei Magix auf dem Tisch - Joachim Sauer gibt einen Überblick und wägt ab.
WIE GEHT ES BEI MAGIX WEITER?
Tom Sperner: Ja, absolut. Magix verfügt weiterhin über ein engagiertes In-house-Entwicklungsteam an unseren Standorten, das sich exklusiv auf die Pflege und technologische Weiterentwicklung unserer Kernprodukte Video deluxe, Video Pro X, Photstory und Music Maker konzentriert.
VIDEOAKTIV: Wie groß ist denn dieses In-house-Entwicklerteam für Video deluxe, die entsprechenden Auskopplungen und den Musik Maker noch?
Tom Sperner: Unser In-house-Entwicklungsteam setzt sich agil aus fest angestellten Mitarbeitern, langjährigen Partnern und spezialisierten Freelancern zusammen. Diese Struktur erlaubt uns eine hohe Flexibilität bei der Umsetzung der neuen Roadmaps für u.a. Video deluxe, Video Pro X und Co. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu exakten Mitarbeiterzahlen keine detaillierten Angaben machen.
VIDEOAKTIV: Sind neue Release-Versionen geplant – wenn ja zu welchem Zeitpunkt?
Tom Sperner: Wir verfolgen eine klare Roadmap: Neue Versionen von Video deluxe, Video Pro X und Photostory sind für den Herbst 2026 geplant. Für den Music Maker visieren wir ein großes Update in 2027 an.
VIDEOAKTIV: Hat rm equity partners bereits bei der Investition eine Verschlankung des Portfolios geplant oder hat sich das aufgrund der Marktsituation entwickelt?
Tom Sperner: Die Entscheidung zur Portfolio-Verschlankung ist eine direkte Reaktion auf die dynamischen Veränderungen der globalen Marktsituation. Ähnlich wie andere Marktteilnehmer (man betrachte etwa die Entwicklungen bei Native Instruments) reagieren auch wir auf den Konsolidierungsdruck in der Branche. Die Fokussierung ermöglicht es uns, Ressourcen gezielter dort einzusetzen, wo wir die größte Hebelwirkung für unsere Nutzer erzielen können.
Die ehemaligen Profi-Programme von Magix finden bei Boris FX ein neues Zuhause. Wir konnten exklusiv vor dem Vegas-Deal mit Gründer Boris Yamnitsky über die Hintergrunde sprechen.
Tom Sperner: Mein Hinweis auf die Marktkonsolidierung bezog sich primär auf die allgemeine Situation im Bereich der Musiksoftware, wie man sie beispielsweise im Umfeld von Native Instruments (Anmerk. der Red: hier Backround-Infos) beobachten konnte. Der Markt für Kreativsoftware verändert sich rasant; die Entscheidung, das Portfolio zu fokussieren, dient dazu, Magix in diesem dynamischen Umfeld langfristig stabil aufzustellen.
Es ist richtig, dass sich die Produkte Video Pro X und Vegas Pro in bestimmten Anwendersegmenten überschneiden können. Dennoch verfolgen sie unterschiedliche Philosophien: Vegas Pro verfügt über eine weltweit gewachsene, sehr spezifische Fanbase und ist global extrem stark positioniert. Video Pro X hingegen ist insbesondere im europäischen Markt fest verwurzelt und exakt auf die Bedürfnisse unserer dortigen Zielgruppe zugeschnitten. Da beide Produkte unterschiedlich positioniert sind und verschiedene Nutzererwartungen bedienen, sehen wir hier keinen direkten 1:1-Wettbewerb, der unsere Strategie beeinflusst.
STRATEGIEWECHSEL ODER KONTINUITÄT
Tom Sperner: Unsere Strategie basiert auf einer klaren Differenzierung: Mit Video deluxe bieten wir ein preislich attraktives Einstiegsprodukt, das technologisch extrem niederschwellig ist. Video Pro X positioniert sich dagegen weiterhin als leistungsstarkes Prosumer-NLE. Im Audio-Bereich setzen wir weiterhin auf die Markenbekanntheit des Magix Music Maker und bauen unsere Position durch die riesige Auswahl an Soundpools, Sample Packs und Loops konsequent weiter aus.
VIDEOAKTIV: Sieht Magix eine Zukunft für Video Pro X oder bleibt es künftig bei reiner Amateursoftware?
Tom Sperner: Video Pro X ist und bleibt ein zentraler Bestandteil unserer Strategie. Wir sehen eine klare Lücke zwischen reinen Amateur-Tools und komplexen High-End-Lösungen für Hollywood-Studios. Video Pro X füllt diesen Bereich perfekt aus. Wir investieren gezielt in die Optimierung der Performance und die Modernisierung der Marketingaktivitäten, um ambitionierten Anwendern ein Werkzeug an die Hand zu geben, das professionelle Ergebnisse ohne die Lernkurve einer Enterprise-Software ermöglicht.
Mit Music Maker, Photostory deluxe, Video deluxe und Video Pro X als verbliebenen Hauptprogrammen konzentriert sich Magix mehr auf Hobbyisten als auf Profis.
Tom Sperner: Wir beobachten den Markt und neue Geschäftsmodelle sehr genau. Unsere Antwort auf diesen Trend ist eine Kombination aus Qualität, Vertrauen und Nachhaltigkeit:
- Software Made in Germany: Wir setzen auf hohe Datenschutzstandards und eine Verlässlichkeit, die unsere Kunden seit Jahrzehnten schätzen.
- Faire Preisgestaltung: Anstatt Nutzer mit versteckten Kosten in Freemium-Modellen zu binden, bieten wir transparente Lizenzmodelle mit echtem Mehrwert.
- Kundenbindung: Wir verfügen über eine extrem treue Community und eine Marke, die für Beständigkeit steht. Indem wir uns auf unsere Stärken, Content-Bibliotheken (Soundpools) und eine stabile Performance konzentrieren, behaupten wir uns erfolgreich im Wettbewerb.
VIDEOAKTIV: Bedeutet dies, dass es keine Veränderung der bestehenden Produktstrategie rund um Video deluxe geben wird?
Tom Sperner: Es wird keine Änderung der bestehenden Produktstrategie für Video deluxe und Video Pro X geben. Wir halten an dem bewährten Konzept fest und konzentrieren uns, wie erwähnt, voll auf die kommenden Releases im Herbst 2026.
FAZIT
Die Nachricht heißt: Alles wie gehabt – der Kunde darf sich beruhigt zurücklehnen. Doch so einfach ist es sicher nicht, denn die bisherige Strategie des Investors bei Magix ging offensichtlich nicht auf – die positive Nachricht wäre gewesen: Wir haben eine Idee und können dem zunehmenden Druck am Markt etwas Neues entgegensetzen. Dass Magix natürlich versucht weiterhin seine Programme unter die Leute zu bekommen und seine treue Kundschaft bei der Stange zu halten – logisch, denn genau darin liegt der Verdienst des Investors. Je länger man das hinbekommt, desto besser.
Sieht man sich die Kommentare unter unserem letzten Video zu Magix Video deluxe an, wird deutlich, dass die Schnittsoftware zunehmend unter Stabilitätsproblemen und die Kundschaft unter einem schlechteren Support leidet. Allein durch die Konzentration auf das reine Amateurgeschäft wird das nicht besser, sondern die Luft eher dünner. Im Besonderen bei der Entwicklung neuer Funktionen, die nun nicht mehr parallel für zwei, sondern lediglich für eine Produktlinie erfolgen muss. Dass man mit Vegas Pro auch viele Entwickler hat gehen lassen, ist dabei auch nicht die optimale Nachricht und die wachsweiche Antwort auf unsere konkrete Frage nach der Größe des Entwicklerteams deutet an, dass man diese Problematik auch selbst erkannt hat. Insofern schauen wir gespannt auf das im Herbst erscheinende nächste Release, mit dem Magix dann beweisen muss, dass man tatsächlich nicht nur oberflächliche Retusche betreibt, sondern einen Schritt nach vorne geht.
Autor: | Joachim Sauer |
Bildquellen: | Magix, MEDIENBUREAU |
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