Workshop: Automatische Bildprofil-Erkennung in Adobe Premiere Pro
Arbeiten mit Log-Profilen eröffnet mehr Dynamik im Bild, ist aber mit umständlichen LUT-Workflows im Schnitt verbunden. Bis jetzt, denn dank automatischer Erkennung in Adobe Premiere Pro von HLG-, RAW- und Log-Farbräumen soll die Farbkorrekturen so einfach sein wie mit Standard-Profilen. Wie das funktioniert, zeigen wir hier.
Workshop:
Automatische Bildprofil-Erkennung in Adobe Premiere Pro
Wie die automatische Bildprofil-Erkennung in Adobe Premiere Pro funktioniert und wie sie den Schnitt erleichtert, zeigt Jonas Schupp hier im Video.
Aktuell werden die gängigsten in der professionellen Medienwelt verwendeten Log-Profile unterstützt. Wir würden uns in Zukunft noch eine Unterstützung von Nikons und Fujifilms-Profilen wünschen.
LUT-THEORIE
Die Abkürzung LUT steht für „Look Up Table“ – direkt übersetzt ist das also eine Farbzuordnungstabelle. Der Trick dahinter: Die Kamera wertet die Bilder nicht gleich nach einem festen Farbraum aus, sondern zeichnet die Farben mit einem flacheren Profil aus. Helle Farben werden dabei eher etwas dunkler gespeichert, dunkle dagegen etwas heller. Heraus kommt ein vergleichsweise unansehnliches Bild, mit dem Vorteil, dass man in der Nachbearbeitung mehr Korrekturmöglichkeiten hat, da weniger Bildinformation komplett ins Schwarz oder ins Weiß abdriften und damit verloren sind. Mittels eines LUTs erfolgt dann die spätere Korrektur, wobei jeder Hersteller eigene LUTs für seine Kameras anbietet. LUTs verarbeiten einen Farbwert und geben einen entsprechenden Wert aus. Genau genommen muss man dieses Anpassungsprofil nur auf den Clip anwenden und schon sieht es „richtig“ aus – wobei eben richtig noch nicht richtig gut sein muss. Doch dank des flacheren Profils kann man die Sättigung und den Kontrast anders abstimmen oder die Farbe eines Clips vollständig ändern.
VOREINSTELLUNGEN
Die beiden Haken in den Voreinstellungen dienen als Sicherheit. Mit ihnen behalten wir den Überblick im Anzeigefenster.
Nun öffnen wir das „Projekt“-Untermenü und setzen den Haken bei „Farb-Management für automatisch erkannte Log- und RAW-Medien“. Das ist die entscheidende Einstellung, welche die automatische Erkennung von ebendiesen Medien aktiviert, auch wenn wir uns in einem anderen Arbeitsfarbraum als Rec. 709 befinden sollten. Zu guter Letzt aktivieren wir noch die farbraumsensiblen Effekte für mehr gestalterische Freiheit.
Der obere der beiden Haken aktiviert die automatische Erkennung von Log- und RAW-Medien.
SEQUENZEINSTELLUNGEN
Im Sequenz-Untermenü erhalten wir komplette künstlerische Freiheit, in welchem Farbraum wir arbeiten und/oder ausgeben wollen.
Das sind alle Einstellungen, die wir treffen müssen. Nun können wir mit den Clips so arbeiten, wie wir es sonst mit Standard-Aufnahmen gewohnt sind. Tatsächlich schaffte die automatische Farberkennung und -konvertierung in unserem Beispiel sogar eine bessere Bearbeitungsbasis als der offizielle Hersteller-LUT. In unserem Testvideo sieht man, dass die von Premiere Pro konvertierten Clips eine etwas höhere Dynamik und mehr Sättigung besitzen – gleichzeitig aber umfassende Nachbearbeitung erlauben.
Im Vergleich zum Hersteller-LUT schaffte die die automatische Bildprofil-Erkennung die dynamischere und damit weniger Nachbearbeitung erfordernde Konvertierung.
TONE MAPPING UND LUT-SETZUNG
Mittels Haken bei „RGB beibehalten“ deaktiviert man die automatische Erkennung für den ausgewählten Clip. Dann kann man wie gewohnt eigene LUTs verwenden.FAZIT
Oft führen Hersteller neue Funktionen in ihre Software ein, die nach dem ersten Ausprobieren keine wirkliche Neuerung oder Erleichterung sind. Mit dem letzten Update von Premiere Pro hat Adobe etwas wirklich Sinnvolles ergänzt: Sowohl das Generative Erweitern als auch nun die automatische Farbraum-Erkennung und Konvertierung sind Neuerungen, die wir seit ihrer Einführung regelmäßig oder bei der automatischen Erkennung ständig verwenden. Hat man die nötigen Haken für eine sichere und farbraumtreue Korrektur gesetzt, ist die Farbkorrektur von Log-Material so angenehm wie mit Clips, die mit 709-Profil aufgenommen wurden.Klar, in Kombination mit einem Hardware-Controller à la Loupedeck & Co. ist die automatische Erkennung im Vergleich zur Arbeit mit LUTs jetzt vielleicht nicht die große Zeitersparnis. Doch sie ist einfach angenehmer und gerade für Neulinge der LUT-Verarbeitung sicherer. Es fühlt sich dabei in etwa so an, als hätte man einen Staubsaugerroboter und müsste die Wohnung nicht mehr selbst saugen. Die automatische Farbraumerkennung nimmt einem einen nervigen Arbeitsschritt ab – und wer will, kann dieses Feature für einzelne Clips oder die ganze Sequenz nutzen für mehr kreative Farbkorrektur.
DATEN
DATEN UND TESTERGEBNISSE

| Hersteller | Adobe | |
| Modell | Premiere Pro | |
| Internet | adobe.com | |
| Preis | ab 26 Euro pro Monat | |
Autor: | Jonas Schupp |
Bildquellen: | Adobe, Joachim Sauer MEDIENBUREAU |
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